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BADEN-BADEN Geschichte
Ludwig Tieck (1773-1853)
Als Ludwig Tieck am 31. März 1773 als
ältester Sohn des Seilermeisters Johann Ludwig
Tieck und seiner Frau Anna Sophie geboren wurde,
befand sich Europa in der Umbruchphase von feudaler
zu bürgerlicher Gesellschaft. Der wichtigste
Denker der Deutschen Aufklärung, Immanuel Kant
(1724-1804), hatte sich zu diesem Zeitpunkt durch
Publikationen und Vorlesungen den Ruf eines
herausragenden Philosophen erworben und bot damit
geistig regen Zeitgenossen Anlass zur engagierten
Auseinandersetzung mit seinen Gedanken.
Schon als Schüler des humanistischen Friedrich
Gymnasiums in Berlin entwickelte Ludwig Tieck
Diskussionsfreude ebenso wie Interesse am Theater
und am Schreiben. Seine Studien in Theologie,
Philosophie und Geschichte in Halle, Göttingen
und Erlangen, die er 1792 begonnen hatte, brach er
1794 ab, um als freier Schriftsteller zu leben. Ein
hohes Maß an Fantasie und poetischem Talent
waren im eigen, was er 1795/96 in "Die Geschichte
des Herrn William Lovell" einfließen
ließ.
Verstand und Gefühl, durch Ludwig Tiecks
Erfahrungshunger ständig wachsend, stellten
hohe Anforderungen an seine Gesundheit und
ließen ihn häufig kränkeln, was ihn
jedoch nicht davon abhielt, an literarischen Salons
ebenso teilzunehmen wie die Freundschaft mit
Friedrich und August Wilhelm Schlegel zu pflegen
und sich mit Johann Wolfgang von Goethe oder
Friedrich Schiller zum Gedankenaustausch zu
treffen.
Jena und Dresden waren Ludwig Tiecks
Lebensstationen, bevor er von 1802 bis 1818 auf Gut
Ziebingen bei Frankfurt/Oder lebte, Von dort
unternahm er zahlreiche Reisen, unter anderem nach
Italien, die teilweise von schweren Erkrankungen
unterbrochen wurden.
1810, mitten in seiner
Schaffensphase, die ihn zum bedeutendsten Vertreter
der Deutschen Frühromantik in der Literatur
werden ließ, kam Ludwig Tieck wegen seiner
schweren Gichtanfälle und anderer
Gesundheitsstörungen erstmals zur Kur nach
Baden-Baden, logierte im "Badischen
Hof" und
war mit seiner Sammlung von Märchen,
Schauspielen und Novellen beschäftigt, die
1812 unter dem Titel "Phantastus" als
dreibändiges Werk erscheinen sollte.
Als Übersetzer, beispielsweise des
Cvervantes'schen Don Quijote, war Ludwig Tieck
ebenso aktiv wie als Herausgeber von Werken anderer
romantischer Dichter, zu denen auch Novalis
gehörte.
Reisen bestimmten weiterhin sein Leben, obwohl er
1823 die Stelle eines Dramaturgen am Dresdner
Hoftheater angenommen hatte. 1828 und 1830 hielt
sich Ludwig Tieck wieder zur Kur in Baden-Baden
auf, welche er im August 1836 wiederholen wollte.
Auf der Hinreise hatte Ludwig Tieck einen schweren
Unfall.
"Eine dumpfe Ahnung lag
während der ganzen Fahrt auf seiner Seele. Es
war ihm, als müsse irgend etwas passieren, er
konnte sich selber nicht erklären warum. Und
richtig, bei Wiesloch, hinter Heidelberg auf der
abschüssigen Landstraße gingen
plötzlich die Pferde durch, der Wagen wurde
gegen eine Mauer geschleudert und Tieck lag
bewußtlos unter den Trümmern.
Die Verwundung an der rechten Seite der Stirne und
im Nacken war lebensgefährlich. Man schaffte
ihn zunächst in ein Wirtshaus in Wiesloch, der
Arzt legte ihm einen Notverband an, ein zweiter
Arzt wurde schnell aus Heidelberg herbeigeholt.
Sobald es der Zustand gestattete, wurde die Reise
nach Baden in Begleitung des Arztes fortgesetzt. In
Baden wurden sechs Tage lang unter Fieber und
Schmerzen Eisumschläge gemacht, da man bei der
Stärke des Falles eine
Gehirnerschütterung befürchtete.
Schließlich kämpfte sich seine Natur
durch. Der Gebrauch der Bäder beförderte
die Heilung. Allerdings blieben einige Wahrzeichen
des Unglücks für immer zurück: die
Halswirbel blieben steif, wodurch eine etwas
schräge Stellung des Kopfes verursacht wurde,
und an der Stirne eine Narbe."
Heinrich Berl, Baden-Baden im Zeitalter der
Romantik, Baden-Baden 1936, Seite 63
Fünf Jahre später holte der
preußische König Friedrich Wilhelm IV.
den Dichter als Vorleser nach Berlin, 1842 folgte
Ludwig Tiecks Berufung ans Potsdamer Hoftheater.
Nach einem schweren Schlaganfall war er ans
Krankenbett gefesselt. Am 28. April 1853 starb
Ludwig Tieck, von dem die Kenner meinen, er sei der
schriftstellerisch fruchtbarste unter den
Frühromantikern gewesen.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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