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BADEN-BADEN Geschichte
Luise von Preußen
(1838-1913)
Am 3. Dezember 1838 wurde Luise Marie Elisabeth von
Preußen als einzige Tochter des
preußischen Prinzenpaares Augusta und Wilhelm
in Berlin geboren. Ihre Kindheit und Jugend
verbrachte Luise von Preußen in Berlin und
Koblenz, nachdem ihr Vater 1849 Generalgouverneur
des Rheinlandes geworden war.
Die Revolutionsjahre
1848/49
hatten Wilhelm von Preußen auch in das
Großherzogtum Baden geführt. 1849 hat er
mit seinen Truppen den Aufstand blutig
niedergeschlagen und das ganze Land unter
preußisches Protektorat gestellt. Die
Fürstenhäuser Baden und Preußen
pflegten darauf hin enge Beziehungen.
Augusta von
Preußen
erzog ihre Tochter in allen so genannten
"fürstlichen Tugenden" wozu vor allem die
Caritas, die Wohltätigkeit, zählte.
Waisenhäuser und Krankenanstalten lernte Luise
von Preußen schon in jungen Jahren kennen
ebenso wie die vornehme Pflicht zu helfen, wo Hilfe
nötig war.
Mit knapp 17 Jahren verlobte sich Luise von
Preußen mit dem badischen Großherzog
Friedrich. Ein Jahr später heirateten sie am
20. September 1856 in Berlin. Am 9. Juli 1857 wurde
Sohn Friedrich geboren.
Die junge Großherzogin Luise gab sich weniger
mit dem höfischem Leben ab als mit der
Bereisung von Schulen, Krankenhäusern und
Heimen in ihrem neuen Heimatland. Die Anliegen der
badischen Frauenvereine machte sie sich zu
Eigen.
Diese waren ursprünglich entstanden, um die
aus den vielen Kriegen, die Mitteleuropa im 19.
Jahrhundert erschütterten, entstandenen
Notsituationen Kriegsgeschädigter zu mildern.
Allmählich wandelten sie sich zu
Hilfsvereinen, die auch in Friedenszeiten die
Unterstützung Bedürftiger betrieben. Zu
tun gab es in den Zeiten der aufkommenden
industriellen Revolution mit dem einhergehenden
Elend der Arbeiter genug.
Die energische Landesfürstin verfolgte
entschlossen ihre sozialen Ziele und erreichte 1859
den Zusammenschluss sämtlicher badischer
Frauenvereine. Sieben Jahre später
konstituierte sich dieser badische Frauenverein als
Komitee zur "Verbesserung des Loses verwundeter und
kranker Krieger" gemäß der Konvention
von 1863 des Genfer Internationalen Komitees,
welche den Beginn der weltweiten Aktivitäten
des Roten Kreuzes einläutete.
Großherzogin Luise, die mittlerweile
dreifache Mutter war, trieb die Entwicklung voran.
Ihr Name wurde damit untrennbar mit dem Badischen
Roten Kreuz verbunden. Jede Art von
Ausbildungsstätten in Krankenpflege und
Hauswirtschaft für Frauen entstanden ebenso
wie Pflegeheime.
In Baden-Baden wurde das Ludwig-Wilhelm-Pflegeheim
ins Leben gerufen und zu Beginn des 20.
Jahrhunderts ein Wöchnerinnenheim auf dem
Marktplatz eingerichtet.
Trotz schwerer persönlicher
Schicksalsschläge - 1888 verlor
Großherzogin Luise innerhalb weniger Wochen
ihren jüngsten Sohn, ihren Vater und ihren
Bruder - blieb ihr Einsatzwille ungebrochen. Durch
Wohltätigkeit sollten "Reinlichkeit und
Sittlichkeit in allen Lebensbereichen verbessert
und gestärkt werden.
Großherzogin Luise war 68 Jahre alt, als ihr
Mann, der in Baden zum Inbegriff des Landesvaters
geworden war, starb. Für sie, die ihr Leben
lang im Dienste der Wohltätigkeit gewirkt
hatte, bot dieses einschneidende Ereignis
allerdings keinen Anlass, sich aufs Altenteil
zurückzuziehen. Eine Vielzahl an Aufgaben war
zu erledigen. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war
Großherzogin Luise beim Helfen an vorderster
Front mit dabei.
Alles Leid und Elend, welches Luise in ihrem Leben
gesehen hatte, alle Schicksalsschläge, die sie
ertragen musste, relativierten sich am 9. November
1918. Ihr Sohn, Großherzig Friedrich II.,
dankte ab. Die Jahrhunderte alte Vorherrschaft des
Adels in Baden hatte wie auch im übrigen
Deutschland ein Ende gefunden.
Die anschließende Flucht aus Karlsruhe
führte zuerst nach Zwingenberg und im Jahr
1919 ins Neue
Schloss
nach Baden-Baden, welches im Familienbesitz
geblieben war. Ihre körperlichen Gebrechen und
ihre Krankheitsbedingte Erblindung waren für
Großherzogin Luise kein Anlass, den
Wohltätigkeitsgedanken auszugeben. Noch an
ihrem Todestag forderte sie ihren Arzt auf: "Nicht
wahr, wenn Sie noch jemanden wissen, dem ich helfen
kann, so sagen Sie es mir." (Annette
Borchardt-Wenzel, Die Frauen am badischen Hof)
Am 23. April 1923 starb die Verfechterin
aristokratischer Ansprüche und deren
Verpflichtung zur Wohltätigkeit, deren
Lebenswerk unzähligen Menschen zum Segen
gereichte, im Neuen Schloss in Baden-Baden.
Von Rika Wettstein Baden-Baden
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Das Buch zum Thema:
Die Frauen am badischen Hof.
von Annette Borchardt-Wenzel
Gebundene Ausgabe, 450 Seiten
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