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BADEN-BADEN
Kultur
Luise Adolpha Le Beau (1850-1927)
Die Künstlerin, die in das im 19. Jahrhundert
von Männern beherrschte musikalische Gebiet
der Komposition eingedrungen ist, stammt aus dem
Land Baden und hat einen großen Teil ihres
Lebens in der Kurstadt Baden-Baden verbracht.
In Rastatt wurde Luise Adolpha Le Beau am 25. April
1850 geboren. Frühzeitig erkannten die Eltern
die außerordentliche Begabung ihrer einzigen
Tochter und förderten sie nach
Kräften.
Mit 14 Jahren besuchte Luise Adolpha Le Beau ein
Mädcheninstitut in Karlsruhe, begann ihre
Ausbildung zur Konzertpianistin, während derer
sie auch einen Sommer lang von Clara Schumann in Baden-Baden unterrichtet wurde,
und komponierte erste kleine Stücke.
Von 1874 bis 1885 hielt sich Luise Adolpha Le Beau
in München auf, wo sie auf Empfehlung
Hans von
Bülows,
einem der berühmtesten Pianisten und
Dirigenten seiner Zeit, als erste Frau bei Joseph
Rheinberger Komposition studierte und in einem
eigenen kleinen Musikinstitut erfolgreich
Unterricht erteilte
Konzertreisen im In-und Ausland und
Veröffentlichungen zahlreicher Kompositionen
bescherten ihr zwar große Erfolge, es gelang
ihr aber nicht, sich weder in München, noch in
Wiesbaden oder in Berlin eine solide Existenz
aufzubauen.
Der alten und kranken Eltern wegen ließ sich
Luise Adolpha Le Beau 1893 in Baden-Baden nieder.
Anfangs feierte sie in der Kurstadt mit der
Präsentation ihrer Werke regelrechte Triumphe.
Nach dem Tod der Eltern zog sie sich mehr und mehr
aus dem öffentlichen Musikleben zurück.
Sie erteilte Klavierunterricht, komponierte weiter
und schrieb ihre "Lebenserinnerungen einer
Komponistin", die 1910 herausgegeben wurden, und
die einen umfassenden Einblick in Leben und Werk
der Luise Adolpha Le Beau geben. Verdeutlicht
werden dort unter anderem die Schwierigkeiten,
welche die Künstlerin im Hinblick auf ihre
Anerkennung als kompetente Komponistin zu
überwinden hatte. Mehr als 150 Kompositionen
hat Luise Adolpha Le Beau geschrieben. Das
Ausmaß der von ihr zu bewältigenden
Schwierigkeiten kann vielleicht anhand der
Tatsache, dass ein 1887 komponiertes Klavierkonzert
erstmals im Jahr 1922 aufgeführt werden
konnte, erahnt werden. Andrerseits wurde sie
stürmisch gefeiert, wenn es ihr gelungen war,
eines ihrer Werke dem Publikum präsentieren zu
können, wie der Bericht aus dem "Tagblatt" vom
23. Oktober 1922 zeigt:
"...als zweite Nummer stand auf dem trefflich
ausgewählten Programm zum erstenmale das
Konzert für Klavier mit Orchester d-moll, Werk
37, von Luise Adolpha Le Beau. Die einzelnen
Sätze dieses Werkes zeigen die Komponistin auf
der Höhe ihres Könnens stehend; sie sind
unter der Verwendung der verschiedenen Instrumente
feinsinnig empfunden und geben wiederum ein
beredtes Zeugnis von der musikalischen
Gestaltungskraft der Komponistin... Frl. Le Beau
saß am Klavier und spielte ihr eigenes Werk
mit jugendlichem Feuer und brillanter Technik - und
erntete reichsten Beifall."
Ihren Lebensunterhalt bestritt Luise Adolpha Le
Beau weiterhin mit Klavierunterricht, den sie mit
pädagogischem Feingefühl und
bravouröser Fertigkeit erteilte. Am 27. Juli
1927 starb Luise Adolpha Le Beau in Baden-Baden und
wurde an der Seite ihrer Eltern beigesetzt.
Mit ihrem Tod geriet auch ihr Lebenswerk in
Vergessenheit. Die Orchesterwerke, Opern, Oratorien
und Kammermusikwerke wurden erst in jüngster
Zeit wieder entdeckt. Namhafte Künstler setzen
sich damit auseinander und machen sie der
Öffentlichkeit wieder zugänglich, womit
sich Luise Adolpha Le Beaus selbstbewusste und
zugleich selbstkritische Feststellung: "Wenn meine
Werke wert sind, mich zu überleben, dann tun
sie es!" bewahrheitet.
Zur Erinnerung an diese großartige Musikerin
hat die Stadt Baden-Baden ihre Musikbücherei
nach Luise Adolpha Le Beau benannt und am 23. Juli
2004 wurde eine Gedenktafel in der Lichtenaler
Straße 46 angebracht.
Von Rika Wettstein,
Baden-Baden
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