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BADEN-BADEN Geschichte
Joseph Ignaz Peter
(1789-1872)
Das wechselhafte Leben des Revolutionärs in
Staatsdiensten begann am 15. April 1789 im damals
zu Vorderösterreich gehörenden Achern, wo
er als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren
wurde. In einem gut bürgerlichen Elternhaus
katholischer Prägung wuchs Joseph Ignaz Peter
mit zwei Geschwistern auf. 1795 begann er seine
schulische Ausbildung an der Elementarschule in
Achern und erhielt zusätzlichen Unterricht
durch einen Französisch-Hauslehrer, der den
Peter-Kindern von den großen im Nachbarland
Frankreich vor sich gehenden Umwälzungen der
Französischen Revolution berichtete.
Die Internatsschule des Klosters Allerheiligen
wurde 1801 Joseph Ignaz Peters nächste
schulische Station, allerdings nur bis zum Jahr
1803. Joseph Ignaz Peter wechselte zum
markgräflichen Gymnasium in Baden-Baden, das
bis zum Jahr 1775 ein Jesuitenkolleg gewesen
war.
Offensichtlich hat ihm der Aufenthalt in der
Kurstadt und sein Privatquartier bei der Familie
Weiß in der Schloss-Straße zugesagt,
denn in seinen Erinnerungen ist von Tanz- und
Badevergnügen und von einer Landschaft mit
"natürlichem Schmuck" die Rede.
Im Herbst 1804 war seine Schulzeit in Baden-Baden
beendet und Joseph Ignaz Peter besuchte auf
Geheiß des Vaters das Lycée in
Straßburg, weil dort nach des Vaters Meinung
ein zeitgemäßerer Unterricht erteilt
wurde. Bis zu seiner Studienzeit hat Joseph Ignaz
Peter innerhalb von 11 Jahren vier unterschiedliche
Schulen, die sicherlich ihre Eindrücke bei ihm
hinterlassen haben, besucht.
Ähnlich verhielt es sich mit seiner
akademischen Ausbildung. 1806 begann er ein
philosophisches Studium an der Universität
Freiburg, wechselte zum Rechtsstudium nach
Heidelberg und beendete sein Studium an der
Académie de Droit in Straßburg.
Den juristischen Vorbereitungsdienst nach den
Staatsexamina 1811 und 1813 unterbrach er, um als
Freiwilliger im Jahr 1814 am Krieg gegen Napoleon
teilzunehmen. Nach Kriegsende arbeitete er in
verschiedenen unbezahlten Volontariatsstellen und
erhielt 1818, mit 29 Jahren, seine erste besoldete
Stelle als Praktikant im mittlerweile badischen
Achern.
Seine Juristenkarriere führte ihn über
verschiedene Stellen 1834 zum Oberhofgericht nach
Mannheim.
Mittlerweile hatte er die Tochter des Offenburger
Kreisdirektors Maria Theresia Kim geheiratet (1823)
und eine fünfköpfige Familie zu
versorgen.
Seine vielfältigen Erfahrungen aus Schul- und
Studienjahren, sowie aus seinen unterschiedlichen
Arbeitsstellen müssen Joseph Ignaz Peter
derart geprägt haben, dass er als "ein
aufrichtiger Freund der Volkssache und der
gesetzesmäßigen Freiheit" geschätzt
wurde, weswegen er 1841 im Wahlkreis Kenzingen zum
Deputierten in die Zweite Kammer des Badischen
Landtags gewählt wurde. Das Leben des Rats am
Oberhofgericht Mannheim erhielt eine Wendung mit
dem sogenannten "badischen Urlaubsstreit". Die
Regierung wollte ihren Beamten Joseph Ignaz Peter
und einen weiteren, in den Landtag gewählten
Beamten keinen Urlaub für die Teilnahme an den
Parlamentssitzungen gewähren. Auf Veranlassung
seiner Wähler kandidierte Joseph Ignaz Peter
deshalb kein zweites Mal, veröffentlichte
allerdings sein Verzichtschreiben mit
ausführlicher Begründung und handelte
sich prompt eine Maßregelung seines
Ministeriums ein: Er wurde als unbedeutender
Obervogt nach Adelsheim und später auf Abruf
nach Heidelberg versetzt.
Dort wurde er 1845 wieder in die Zweite Kammer des
Landtags gewählt.
Am 14. März 1848 ernannte die badische
Regierung Joseph Ignaz Peter zum Regierungsdirektor
des Seekreises wohl in der Erwartung, der seit
Jahrzehnten im Staatsdienst tätige, politisch
erfahrene, 59-jährige Joseph Ignaz Peter werde
im Bodenseeraum trotz der herrschenden Situation
des Aufruhrs für Ruhe und Ordnung sorgen.
Am 12. April 1848 riefen Friedrich Hecker und
Gustav von Struve in Konstanz zum bewaffneten
Aufstand auf mit dem Ziel, einen "freien
Volksstaat" zu gründen. Friedrich Hecker
drängte Joseph Ignaz Peter, das Amt des
republikanischen Statthalters zu übernehmen.
Am 17. April 1848 folgte dieser dem Drängen
und bekannte sich damit zu den Zielen der
Aufständischen, was seine sofortige
Suspendierung vom Staatsdienst und einen Haftbefehl
zur Folge hatte. Der Haftbefehl konnte jedoch wegen
Peters Abgeordnetenstatus' im Landtag und in der
Nationalversammlung und die daraus resultierende
Immunität nicht vollzogen werden.
In der Folgezeit hielt sich Joseph Ignaz Peter
mehrfach in der Schweiz und in Frankreich auf.
Als die badischen Revolutionäre im Mai 1949
die Regierung in Karlsruhe übernommen hatten,
wurde Joseph Ignaz Peter das Amt des
Justizministers übertragen.
Nach der Niederlage der Freiheitskämpfer im
Juli 1849 floh Joseph Ignaz Peter über die
Schweiz nach Frankreich und wieder zurück in
die Schweiz.
Das Hofgericht in Bruchsal verurteilte ihn im Jahr
1850 zu einer 20-jährigen Zuchthausstrafe.
12 Jahre lebte Joseph Ignaz Peter im Exil, bis er
1862 in einem Gnadengesuch um eine straffreie
Rückkehr nach Deutschland bat.
Nach seiner Begnadigung kehrte der 79-Jährige
nach Achern zurück, erhielt auch wieder die
Bürgerrechte, allerdings keine Pension aus
seinem 30-jährigen Dienst für den
badischen Staat, sondern lediglich eine
gnadenhalber gewährte kleine Rente. Am 19.
September 1872 starb Josph Ignaz Peter in
Achern.
Auf seinem verwitternden Grabstein, der im Acherner
Ortsteil Fautenbach als Halt für ein
Eisengitter dient, verblasst die Inschrift:
"Liebreich und treu war sein Herz
Glühend für Wahrheit und Recht
Volkes Wohl hat er erstrebet
Männlich gekämpft und gelitten."
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
Zur
Revolution 1848-1849
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