Hotel Quellenhof

Das Hotel mit dem einer Bäder- und Kurstadt würdigen Namen "Quellenhof" hätte nie an der im Jahr 1860 von Küfermeister Lorenz Peter ausgesuchten Stelle in der oberen Sophienstraße entstehen können, wenn nicht 40 Jahre zuvor die beengenden Stadtmauern gefallen wären.

Die Mauern waren zwar im Jahr 1689 beim
großen Stadtbrand zerstört worden, wurden in den Folgejahren allerdings zum Schutz der Stadt wieder errichtet. Im Schutz dieser Mauern entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts langsam wieder eine Art Wirtschaftsleben, wozu auch die Wiedereröffnung der Gasthäuser gehörte.

Das Gasthaus "Zum Drachen" soll, so berichten die Chronisten, eines der ersten Gasthäuser gewesen sein, welches nach dem verheerenden Brand wieder Obdach und Verpflegung bot. Die "ewige Schildgerechtigkeit" des "Drachen" wechselte im Lauf von 160 Jahren häufig ihren Besitzer. Der "Drachen" wurde im Verlaufe dieses Prozesses zur "Stadt Paris".

Hotel Stadt Paris um 1830

1860 erwarb Lorenz Peter das Recht, Gäste bewirten und ihnen Unterkunft anbieten zu dürfen, und ließ sein großzügiges "Hotel Paris" mit Anbau zur Gernsbacher Straße errichten. In- und ausländische Gäste, die sich vor allem in den Sommermonaten in Baden-Baden tummelten, wurden willkommen geheißen. Der berühmteste Gast, der während eines Kuraufenthaltes im Jahr 1878 im "Hotel Paris" wohnte, war wohl
Friedrich Nietzsche.

1884 führten Julie Lorenz und ihr Mann Hermann Grosholz das Haus für 10 Jahre weiter. Danach wurde es von Julius Steinmetz geleitet.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb Fritz Höllischer das Hotel und gab ihm den Namen "Quellenhof". Im Juli 1922 fügte er seinem Betrieb ein, auch von den Einheimischen sehr geschätztes, Kellerlokal "Altbadische Weinstube zum Süßen Löchel" hinzu.

Hptel Quellenhof Baden-Baden

Ansichtskarte aus dem Jahre 1935
(Abb.: Archiv WAEPART)



An Pfingsten 1953 konnte der "Quellenhof" erstmals nach seiner Beschlagnahmung durch die französische Besatzungsmacht seine Türen wieder für Gäste aus aller Welt öffnen. Seither wechselten mehrfach die Besitzer und es erfolgte ein kompletter Neubau. Der Name ist jedoch erhalten geblieben. Das urige Kellerlokal "Zum Süßen Löchel" wurde nach der Jahrtausendwende geschlossen.

Zwischenzeitlich war das Hotel im Besitz des russischen Ölbarons Andrej Tscherwitschenko. Der Geschäftsführer des Hotels war russischer Abstammung. Etliche Firmen, von Russen gegründet, die sich mit Reisen, Im- und Export, Unternehmensbeteiligungen und Bautätigkeiten befassen, hatten seit Ende des Jahres 2003 ihren Firmensitz in dem geschichtsträchtigen Haus.

Im Herbst 2006 wurde das Hotel erneut verkauft, und zwar an eine englische Investmentgesellschaft mit russischem Teilhaber.

Der "
Quellenhof" entwickelt sich zu einer wahren Quelle russischer Aktivitäten und damit zu einem "russischen Zentrum" in Baden-Baden.

Von Rika Wettstein Baden-Baden

Russen in Baden-Baden


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