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Georg Groddeck
(1866-1934)
Der engagierte Wegbereiter der
psychoanalytischen Psychosomatik wurde am 13. 10.
1866 in Bad Kösen in der Nähe Naumburgs
an der Saale geboren.
In Berlin absolvierte der Sachse ein
Medizinstudium, in welchem er auch von Bismarcks
Leibarzt unterrichtet wurde.
Im Jahr 1900 kam er in die Kurstadt Baden-Baden und
eröffnete in der Villa Marienhöhe an der
Werderstraße -dem heutigen Hotel Tanneck- ein
kleines Sanatorium mit 15 Betten. Dort nahm er sich
mit Diäten (teilweise wurden diese auf
Puppentellern serviert), Massagen und
psychologischen Erforschungen nach Freudschen
Grundsätzen Patienten mit organischen
Erkrankungen, von der Schwindsucht bis zum Krebs,
an und wurde mit der Zeit zum "Wunderdoktor" oder
"Heiler von Baden-Baden".
Dabei tat er nichts anderes als -entgegen der
damals herrschenden ärztlichen Auffassung, nur
die klinische Erfahrung der naturwissenschaftlichen
Schulmedizin zähle- den kranken Menschen als
Ganzes zu sehen, da ihm die zunehmende
Patientenferne seiner Standeskollegen und deren
abstraktes Vorgehen widerstrebten.
1913 veröffentlichte er sein Buch "Nasamecu".
Der Titel steht für die Abkürzung des
Satzes: "Natura sanat, medicus curat", was so viel
bedeutet wie: Die Natur heilt, der Arzt pflegt.
Georg Groddeck beschäftigte sich allerdings
nicht nur mit medizinischen Themen, sondern auch
mit sozialen Phänomenen. So gründete er
1911 einen genossenschaftlichen Konsumverein und
war 1912 Gründungsmitglied der
Baugenossenschaft Baden-Baden, die es sich zur
Aufgabe gemacht hatte, die Wohnverhältnisse
der Arbeiter zu verbessern, weswegen die
Genossenschaft unter anderem die beispielhafte
Ooswinkelsiedlung
nach Art einer Gartenstadt bauen ließ. Ein
Fußweg zur Oos am Rande der aus nur zwei
Straßen bestehenden Siedlung erinnert ebenso
wie eine Gedenktafel an den unerschrockenen
Verfechter sozialer Interessen.
Schriftstellerisch betätigte er sich auch
weiterhin. 1917 veröffentlichte er die Schrift
"Psychische Bedingtheit und psychoanalytische
Behandlung organischer Leiden", die zum Grundstein
der Psychosomatik wurde.
1921 folgte der psychoanalytische Roman "Der
Seelensucher" und 1923 erschien sein "Buch vom Es",
in dem er als Patrick Troll einer "lieben Freundin"
Briefe tiefenpsychologischen Inhalts schreibt, die
beispielsweise den amerikanischen Autor Henry
Miller und den englischen Schriftsteller Laurence
Durrell tief beeindruckten. Laurence Durrell
schrieb sogar das Vorwort zur vierten Auflage und
bezeichnet die Briefe als "Briefe voller Lust,
Poesie und Schalkheit".
Die Erkenntnis, dass "Es" -irgendein Wunderbares,
das alles regelt, was der Mensch tut und was mit
ihm geschieht - alle Lebensprozesse des Menschen
beinflusst, brachte Georg Groddeck zu der festen
Überzeugung, alle Krankheiten seien
psychischen Ursprungs und nur dann zu heilen, wenn
eine seelische Umentscheidung stattfinde.
Der Begriff "Es" wurde später von Siegmund
Freud übernommen und wird heute noch
vornehmlich dem österreichischen
Psychoanalytiker zugeschrieben, da Georg Groddecks
Werk einer "unverdienten Vergessenheit" (Laurence
Durrell) anheim fiel.
Am 10. Juni 1934 starb Georg Groddeck in
Zürich. Auf dem Baden-Badener Stadtfriedhof
fand er seine letzte Ruhestätte.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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