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Kaiserin/Zarin
Elisabeth von Russland in Baden-Baden
Als am 24. Januar
1779 dem Erbmarkgrafen von Baden, Karl Ludwig von
Baden, die dritte Tochter geboren wurde, erhielt
sie die Namen Luise Maria Auguste. Niemand ahnte
damals, dass sie 1793 durch den Übertritt zur
orthodoxen Kirche die Namen Elisabeth (Jelisavjeta)
Alekseevna erhalten sollte. Diese Konversion war
durch ihre Eheschließung mit dem
Großfürsten, späteren Zaren
Alexander I. Pawlowitsch notwendig geworden. Als
Zarin kam sie nach 12 Jahren im Februar 1814
zurück an ihren heimischen Hof nach
Karlsruhe.
Ernst Moritz Arndt charakterisierte sie damals
so:
"Die junge Kaiserin, von fern eine anmutige, zart
schwebende Erscheinung, in der Nähe schon das
Verblühen, schlanken Wuchses, freundlichster
blauer Augen, ihr Gesicht ganz von Freundlichkeit
überzogen, aber doch mit dem Ausdruck einer
schmerzlichen Empfindung. Sie war keine
glückliche Frau: sie hatte ein Kind gehabt,
das früh starb, jetzt kinderlos, also eine
unglückliche Zarin."
Ihre Hofdame, Roxandra Stourdza, nannte sie "Belle
comme Psyché, fière de ses attraits"
und man wusste : sie "übte [...] einen
besonderen Zauber durch den Glockenton ihrer Stimme
aus".
Jung-Stilling meinte
am 5. Mai 1814 von ihr in einem noch ungedruckten
Brief: "Die Kayserin Von Rusland, Die Doch Die
erste und Vornehmste Frau in der ganzen Menschheit
ist, ist auch gleichsam Die freundlichste und
holdseeligste unter Allen."
Ihre Reise durch das Heimaland führte die
Zarin auch nach Baden-Baden.
Am Sonntag, dem 19. Juni 1814 bringt das
"Badwochenblatt für die Großherzogl.
Stadt Baden." In seiner Nr. 6 auf den Seiten 45-49
neben dem Verzeichnis der Gäste auch folgenden
Aufsatz:
Baden, den 17. Juny.
Gestern Abends um halb 8 Uhr hatte die
hießige Stadt das Glück, Ihre
Majestät die Kaiserin Elisabetha Alexiewna von
Russland an der Seite Ihrer Durchlauchtigsten
Mutter, der Frau Markgräfin von Baden Hoheit,
und Ihrer Schwester der Königin von Schweden
Majestät mit des königl. Prinzen und der
königl. Prinzessinnen Hoheiten in ihre Mauern
einziehen zu sehen. Allerhöchstdenselben
wurden an der Stadtgrenze von der hießig
bürgerlichen Kavallerie, und an der vor dem
Einzugsthore errichteten Ehrenpforte von den
Großherzogl. Beamten und dem Stadtrathe,
unter dem Donner des Stadtgeschützes und
Läutung aller Glocken, so wie auch unter dem
ununterbrochenen Vivatrufen der von den
Schulkindern bis zu den Greisen versammelten
Volksmenge empfangen; zwölf junge Mädchen
umgaben sogleich den fürstl. Wagen, und
währenddem zwey derselben Ihrer Kaiserl.
Majestät die nachfolgenden Strophen im Namen
der Stadt Baden überreichten, welche die
erhabene Fürstin [S. 46:] mit der
huldreichsten Freundlichkeit aufnahm, umschlangen
die übrigen den Wagen mit Blumengewinden.
Ihre Kaiserl. Majestät geruhten
allergnädigst, unmittelbar nach Ihrer Ankunft
im Schlosse, sich die Großherzogl. Diener und
den Stadtrath vorstellen zu lassen, und sie auf das
huldreichste zu empfangen.
Eine allgemeine Beleuchtung der Stadt
beschloß dieses, Badens Bewohnern gewiß
ewig unvergeßliche Fest.
Wir grüßen Dich, Dich grüßt
das Vaterland,
Erhabne Fürstin auf dem Thron der Zaare!
Dich hat zu uns, vom fernen Newastrand,
Der Genius der Menschheit hergesandt,
Das jedes Herz Dein Bildniß treu bewahre.
Hier, wo der Heimath Lüfte Dich umweh'n,
Wo Friede säuselt in den grünen
Zweigen,
Wo noch die Zinnen jener Veste steh'n,
Die Deiner Väter ersten Ruhm geseh'n,
Hier wirst Du hold zu unserm Lied Dich neigen.
Was wir Dir bringen - wenig ist es nur,
Ein kleines Opfer, das die Liebe spendet,
Ein Blumenkranz der heimathlichen Flur!
Jedoch vom Prunke hat zu der Natur
Sich immer gern Dein zarter Sinn gewendet.
Wie Purpurduft im goldnen Abendschein,
Schwebt stiller Friede über Badens Thale;
Dich lädt der Wald in seine Lauben ein,
Dich grüßt die Nymphe, die am
Felsgestein
Den Heilquell schöpft in ihre
Marmorschale.
Die Blumen schicken ihren Balsamduft,
Die Herzen ihre Wünsche Dir entgegen;
Und Melodieen ziehen durch die Luft,
Und alles Volk im Jubeldrange ruft:
Elisabeth, Dein sey des Himmels Segen.
Und Heil auch Ihm, der von dem Throne stieg,
Den freveln Stolz auf immer fest zu binden,
Der menschlich fühlte im gerechten Krieg,
Und dem, zugleich, der Friede und der Sieg
Zum Kranz den Oelzweig und den Lorbeer winden.
Auch unser Thal wird herrlicher erblüh'n,
Die bessre Zeit ist mit Dir eingezogen,
Und frischer glänzt der Eiche heilig
Grün,
Und über unsern Tannenbergen hin
Wölbt siebenfarbig sich der Iris Bogen.
Er strahl' auch Dir auf Deiner Lebensbahn,
Wo Dich die stillen Tugenden begleiten.
Du gehst zu einem schönen Ziel hinan,
Das höchste Glück - es ist kein leerer
Wahn,
Wohl wissens die, die fremdes Glück
bereiten.
Wie vieles auch im Sturm der Zeit vergeht,
Wir werden nie in Lieb' und Treue wanken.
Nein, wie die Luft von unsern Bergen weht,
Ist unser Sinn; in jedem Herzen steht,
Was war dem Stamm der Zähringer verdanken.
Kehrst Du nun wieder zu den Völkern hin,
Die Dich in hundert Sprachen Mutter heissen,
So wird bey uns doch Dein Gedächtniß
blüh'n,
Und Deutschland wird, mit ewig treuem Sinn,
Dich und den Retter seiner Freyheit preisen.
Das Abendprogramm konnte noch nicht in dieser
Ausgabe verzeichnet sein; es folgte in der
folgenden Nummer des Badwochenblatts am 23. Juni
auf S. 53:
Baden, den 19. Juny.
Heute geruhten Ihre Majestäten die Kaiserin
von Russland und die Königin von Schweden mit
der Frau Markgräfin von Baden Hoheit das
Theater durch Ihre Gegenwart zu verherrlichen, wo
Höchstdieselben bey Ihrem Eintritt mit lautem
Jubel empfangen wurden. Ein Prolog, betitelt der
Wettstreit der Künste, von Franz v. Holbein
zur Feyer des Vorabends des Geburtsfestes der Frau
Markgräfin von Baden schön und herzlich
bearbeitet, und von den Hofschauspielern Mari
Renner, Franz v. Holbein, Ferdinand Eßlair
und Elise Eßlair von Karlsruhe mit der dieser
hohen Feyer angemessenen Würde und Grazie
ausgeführt, erfüllte alle anwesenden
zahlreichen Zuschauer mit der lebhaftesten Freude,
und seine so schönen als wahren Beziehungen
auf die erhabenen Eigenschaften der
fürstlichen Mutter wurden mit dem lautesten
Beyfalle gekrönt.
Hierauf folgte: Was wir bringen, Quodlibet in einem
Aufzuge. Den Beschluß machte: Der
Verräther, Lustspiel in einem Aufzuge.
Abends geruhten die allerhöchsten Herrschaften
einem Balle in dem herrlich beleuchteten und mit
Pracht und Geschmack dekorirten Konversationshause
beyzuwohnen, und ein Paar Stunden da zu
verweilen.
Erst am 3. Juli reiste die Zarin wieder ab. Sie
nahm noch and der Lichterfeier in Baden-Baden teil,
bei der die preußischen und badischen Truppen
im Schlossgarten vor ihr paradierten. Am Mittag gab
es auf der Favorite ein Diner, auf
der Lichtenthaler Allee trank die Kaiserin dann Tee
und am Abend nahm sie ihr Soupée auf dem
Schloss ein.
Von Dr. Erich Mertens, Lennestadt
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