|
|
|
|
|
LODA
eine neuerfundene Fahrmaschine
Der Freyherr Karl von Drais, welcher nach
glaubwürdigen Zeugnissen, Donnerstag den 12.
Juny d. J. mit der neuesten Gattung der von ihm
erfundenen Fahrmaschinen ohne Pferd von Mannheim
bis an das Schwetzinger Relaishaus und wieder
zurück, also 4 Poststunden Wegs in einer
Stunde Zeit gefahren ist, hat mit der nemlichen
Maschine den steilen, zwey Stunden betragenden
Gebirgsweg von Gernsbach hieher in ungefähr
einer Stunde zurückgelegt, und auch hier
mehrere Kunstliebhaber von der großen
Schnelligkeit dieser sehr interessanten
Fahrmaschine überzeugt.
Die Haupt-Idee der Erfindung ist von dem
Schlittschuhfahrern genommen und besteht in dem
einfachen Gedanken, einen Sitz auf Rädern mit
den Füßen auf dem Boden
fortzustoßen.
Die vorhandene Ausführung insbesondere besteht
in einem Reitsitz auf nur 2 zweyschühigen,
hintereinanderlaufenden Rädern, um auf allen
Fußwegen der Landstraßen fahren zu
können, da diesen den ganzen Sommer durch fast
immer sehr gut sind. Man hat dabey zur Erhaltung
des Gleichgewichts ein kleines gepolstertes
Brettchen vor sich, worauf die Arme aufgelegt
werden, und vor welchem sich die kleine Leitstange
befindet, die man in den Händen hält, um
den Gang zu dirigiren.
Diese, zu Staffetten und zu großen Reisen so
sehr gut zu gebrauchende Maschine wiegt keine 50
Pfund, und kann für höchstens 4 Carolin,
mit Reise-Taschen und sonstiger Zugehör,
dauerhaft und schön hergestellt werden.
Baden, am 28. July 1817.
|
|
Text aus dem Badwochenblatt
|
|
|
BADEN-BADEN
Geschichte
Karl Drais (1785-1851)
(vor der Badischen Revolution:
Karl Freiherr von Drais)
Drais brachte High-Tech nach Baden-Baden wie
später Gottlieb Daimler nach Bad Cannstatt
oder Ernst Sachs nach Bad Kissingen bzw.
Schweinfurt. Denn die zweite Zweiradfahrt der
Geschichte fand von Gernsbach nach Baden-Baden
statt, wie das Badwochenblatt berichtete. Aber auch
die erste Fahrt auf dem Zweirad am 12. Juni 1817
mit 15 kmh aus Mannheim hinaus steht drin. Er
nannte es noch LODA (aus Locomotion und Dada=
Steckenpferd), danach Laufmaschine und die
Zeitungen dann Draisine.

Drais ist in Karlsruhe am 29. April 1785 geboren
und am 10. Dezember 1851 gestorben. Meist lebte er
in Mannheim bis auf seinen mehrjährigen
Aufenthalt in Brasilien. Nach Studium in Heidelberg
schmiss der junge Drais die vom Paten und Herrscher
diktierte Forstlaufbahn und verlegte sich aufs
Erfinden. Die schlechte Ernte von 1812 mit
Hafermangel ließ ihn über den Ersatz der
Pferde beim Vorwärtskommen nachdenken. Das
Resultat waren seine beiden vierrädrigen
Fahrmaschinen mit Tretmühle oder zu tretender
Kurbelwelle zwischen den Hinterrädern. Die
zweite führte er beim Wiener Kongress vor.
Nach weiteren schlechten Ernten kam es 1816/17 zur
weltweiten Klimakatastrophe infolge der
Vulkanstaub-Eruption des Tambora auf Sumbawa, einer
Nachbarinsel Balis, mit Schneesommer, Ernteausfall
und Pferdesterben. Drais erfand das Zweiradprinzip
in Form seiner Laufmaschine und wurde
weltberühmt. Die hölzernen
Zweiräder, so leicht wie Hollandräder
heute, wurden bis nach USA oder Kalkutta
nachgebaut. Erst seit der ersten guten Ernte im
Herbst 1817 fielen die Zweiradfahrer unangenehm
auf, weil sie nur die plattenbelegten Gehwege,
nicht die zerfurchte Fahrbahn benutzen konnten.
Verbote mit Geldstrafen würgten den
pferdelosen Individualverkehr für fünfzig
Jahre ab, worauf die Eisenbahn siegte.
Drais frequentierte weiter Baden-Baden und
inserierte sein Periskop im Badwochenblatt. Nach
Niederschlagung der Badischen Revolution, als sich
Drais als Demokrat outete, wurde ihm das Kuren in
Baden-Baden verboten, und die preußische
Besatzung beschlagnahmte seine Erfinderpension
restlos zur Bezahlung der Revolutionskosten.
Mit der Erfindung des Zweiradprinzips hat Drais
nicht nur Fahrrad und Motorrad ermöglicht,
sondern mit diesen auch das Auto, also den
Individualverkehr ohne Pferd schlechthin. Er gilt
zurecht als der Urvater der Automobilität,
seit Prioritätsmärchen wie "Leonardos
Fahrrad" oder "Comte de Sivrac" geplatzt sind.
Von Prof. Dr. Hans-Erhard Lessing, Mannheim
Weiterfürende Infos:
www.karldrais.de
Anmerkung der Redaktion:
Karl Drais Fahrmaschine ohne Pferd regte einen
weiteren Badener zum Nachdenken über einen
"Pferdelosen Wagen" an, seinen Namensvetter
Carl Benz.
|
|
Zurück
zur Übersicht
|
|
|
|
Reich bebildert, mit vielen
Konstruktionszeichnungen und Originaldokumenten
aufwartend bietet sich "Automobilität" nicht
nur als Lesevergnügen, sondern auch als
Nachschlagewerk erster Güte an. Erleichtert
wird eine derartige Handhabung durch den genialen
Einfall, die Fußzeilen der Seiten neben
Seitenzahlen auch mit Jahreszahlen zu versehen.
Buchbesprechnung
lesen
Automobilität - Karl Drais und die
unglaublichen Anfänge
von Hans-Erhard Lessing
Gebundene Ausgabe
528 Seiten, Maxime Verlag
Erscheinungsdatum:
Oktober 2003
Buch bestellen
|
|