Der schwere, süßlich-klebrige
Duft, der dem Riesenkomplex der
Zigarettenfabrik Batschari zwischen
Balzenbergstraße und
Mozartstraße entströmte,
begleitete jahrzehntelang die Bewohner
dieses Viertels. In den Jahren 1908 und
1909 gebaut, bedeutete die Inbetriebnahme
dieser Zigarettenfabrik für die
Kurstadt den Beginn der industriellen
Phase. Dass ausgerechnet in einer Kurstadt
eine Zigarettenfabrik entstehen konnte,
hat mit der Eigenart dieser Kurstadt zu
tun, die im 19. Jahrhundert zur
Sommerhauptstadt Europas aufgestiegen war
und eine Vielzahl internationaler
Gäste, vor allem Franzosen und
Russen, beherbergte. Viele dieser
Gäste rauchten, die Franzosen
Zigarren, die Russen Zigaretten. Heinrich
Reinboldt, der spätere Schwiegervater
August Batscharis, machte sich diese
Eigenart zu Nutze und bot in einer
gemieteten Boutique beim Coversationshaus
handgefertigte Zigarren bester
Qualität an, was ihn zu
wirtschaftlichem Erfolg und darüber
hinaus zu der Idee führte, ebenfalls
Zigaretten in einer eigenen kleinen
Manufaktur herstellen zu lassen und zu
verkaufen. Als August Batschari
Familienmitglied geworden war, wurden die
Geschäftsfelder aufgeteilt: Heinrich
Reinboldt war weiter für die
Zigarrenherstellung verantwortlich, August
Batschari wurde für die
Zigarettenproduktion zuständig.
Letztere wurde kräftig ausgebaut, von
110000 Zigaretten Tagesproduktion in 1899
bis zu mehr als drei Millionen, die
täglich in der neuen Fabrik an der
Balzenbergstraße zum
größten Teil maschinell
hergestellt wurden. Rund 800
Beschäftigte, vor allem Frauen, waren
mit der Herstellung der August Batschari
Cigaretten beschäftigt.

Der Markenname ABC wurde weit über
die deutschen Grenzen hinaus bekannt, da
in allen bedeutenden europäischen
Städten Verkaufsstellen eingerichtet
waren. Während des Ersten Weltkriegs
konnte die Firma ihre Produktion im
gewohnten Umfang aufrecht erhalten. Im Sog
der Weltwirtschaftskrise geriet sie jedoch
in wirtschaftliche Probleme, weswegen die
Familie Batschari 99% ihrer Anteile
verkaufte. Die wegen drohender
Steuerschulden in ihrer Existenz
gefährdete Zigarettenfabrik wurde mit
öffentlichen Mitteln aufrecht
erhalten und produzierte als seinerzeit
größter Arbeitgeber
Baden-Badens, mit bis zu 2000
Beschäftigten zur Reemtsma-Gruppe
gehörend, noch bis in den Zweiten
Weltkrieg hinein.
ABC - die Zigarettenmarke gibt es nicht
mehr. Das Fabrikgebäude wurde
Jahrzehnte lang als
Wehrbereichsbekleidungsamt V von der
Bundeswehr genutzt. Zu Beginn des Jahres
2004 wurde es geräumt.
Welche Verwendung die
Produktionsstätte der ersten
deutschen Zigarettenfabrik finden wird,
ist unklar.

Heute sind die alten Werbeschilder von
Batschari gesuchte Sammlerstücke.
Abgebildet sehen Sie ein seltenes und
dekoratives Glasschild aus dem Jahr 1920,
ein Hinterglasdruck mit Blattgoldauflagen,
Format 51 x 43 cm.
Herstellerbezeichnung: "Glasplakatefabrik,
Offenburg i. Baden".
'Eigentümervermerk rückseitig:
"Dieses Plakat bleibt Eigentum der Firma
A. Batschari, Cigarettenfabrik,
Baden-Baden".
Text: Rika Wettstein, Baden-Baden
Abbildungen: Archiv WAEPART
Batschari-Gebäude:
Bund berichtet von einigen
Kaufinteressenten / Denkmalschutz zeigt
sich skeptisch
"Erhalt
keineswegs gesichert"
Nach
wie vor ungewiss ist die künftige
Nutzung der imposanten Immobilie: Für
das Areal der früheren
Batschari-Zigarettenfabrik gibt es nach
Angaben der Bundesvermögensverwaltung
eine Reihe von Kauf-Interessenten. Das
Landesdenkmalamt hingegen zeigt sich eher
pessimistisch und schließt auch
einen Abbruch nicht aus.
Im Internet und in Tageszeitungen hatte
die Bundesvermögensverwaltung das
denkmalgeschützte Objekt zwischen
Balzenberg-, Beethoven und
Mozartstraße zum Verkauf angeboten.
3,5 Millionen Euro wurden als
Kaufpreisvorstellung genannt. Das
"historische Juwel", so der
Ausschreibungstext, wurde in den Jahren
1907/1908 errichtet und zuletzt von der
Bundeswehr als Wehrbereichbekleidungsamt
genutzt. Am Freitag vergangener Woche war
"Angebotsende".
Das allerdings werde nicht so eng gesehen,
wie Klaus Christl, Leiter des
Bundesvermögensamts Karlsruhe, auf
Anfrage sagte. "Einige Angebote"
lägen vor, so Christl, und nach wie
vor meldeten sich Interessenten. Wer noch
ein paar Tage brauche, um alle Unterlagen
zu beschaffen, dem werde
Fristverlängerung eingeräumt.
Nach Angaben des Amtsleiters hat sich die
"Kaufpreisvorstellung" als realistisch
erwiesen, die Angebote lägen "absolut
in dieser Größenordnung". Zu
den Konzepten der Interessenten sei
lediglich die Aussage möglich, dass
vorwiegend eine "Mischnutzung", mit dem
Schwerpunkt auf "Wohnen", angestrebt
werde, so Christl. Nachdem die Angebote
gesichtet und ausgewertet sind, sollen die
Nutzungskonzepte mit der Stadt besprochen
werden. Das Kaufinteresse lässt nach
Ansicht des Amtsleiters "die Hoffnung zu,
dass noch in diesem Jahr der Verkauf
zustande kommt". Vor diesem Hintergrund
werde an einen Abbruch "im Moment nicht
gedacht".
"Keineswegs gesichert" sieht hingegen die
Karlsruher Außenstelle des
Landesdenkmalamts den Erhalt des
Industriebaus. Das geht aus einem
Schreiben der Denkmalschützer an Gerd
Müller, den Vorsitzenden des
Stadtbild-Vereins, hervor. Müller
hatte angefragt, ob ein in den siebziger
Jahren abgetragener Turm auf dem
Batschari-Gebäude wieder errichtet
werden könne, so lange der Bund noch
Eigentümer ist.
Das sei nicht möglich, so die Antwort
des Landesdenkmalamts. Und es stehe auch
viel mehr auf dem Spiel. "Gegenwärtig
versucht die
Bundesvermögensverwaltung in
Baden-Baden bei vielen Baudenkmalen in der
Cité die wirtschaftliche
Unzumutbarkeit der Erhaltung nachzuweisen,
um die Objekte abreißen zu
können", heißt es in dem
Schreiben. Und weiter: "Je nachdem, wie
erfolgreich die
Bundesvermögensverwaltung bei Ihrem
Vorhaben sein wird, in der Cité
Baudenkmale von besonderer Bedeutung ...
abreißen zu dürfen, steht es
schlecht um den Erhalt eines sog.
einfachen Kulturdenkmals ... wie die ehem.
Zigarettenfabrik Batschari."
Badisches Tagblatt, 25.8.2004
Aus der ehemaligen Zigarettenfabrik mit
ihren rund 18000 Quadratmetern Fläche
soll nach dem Willen der Käufer,
welche die Immobilie Mitte 2006 erworben
haben, das "Palais Batschari" werden.
Obwohl der Baden-Badener Gemeinderat dem
Projekt, das doch etliche optische
Veränderungen an dem Gebäude
vorsieht, noch nicht zugestimmt hat,
verkünden Werbeanzeigen in der
überregionalen Presse im Herbst 2006,
dass "am Zentrum gegenüber dem
Festspielhaus" "Royal Residences" mit
Balkon und Kamin, bis zu 253 Quadratmeter
groß, entstehen, die "in
wunderschöner Thronlage in
Baden-Baden neue Maßstäbe
für Wohnkultur" setzen. 2007 sollen
die "Royal Residences" "im vielleicht
schönsten Kurort Europas"
fertiggestellt sein.
(Quelle: BNN, 29.09.2006)
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