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BADEN-BADEN Geschichte
Thomas Anshelm Badensis,
der "Gutenberg" aus Baden-Baden
Thomas Anshelm Badensis, von dem man weder Geburts-
noch Todestag kennt, auch kein Bildnis, muss ein
eine außergewöhnliche
Persönlichkeit gewesen sein.
TAB - diese drei Zeichen stehen für einen
Pionier aus der Frühzeit der Buchdruckerkunst.
Er wurde in Baden-Baden wohl um die 60er Jahre des
14. Jahrhunderts geboren. Er studierte als wenig
betuchter "Scholar" an der Universität Basel
und machte nach seinem Studium in Straßburg
mit einer eigenen Druckerpresse erstmals auf sich
aufmerksam.
In Straßburg hatte bereits einige Jahre zuvor
Gutenberg mit seiner epochalen Erfindung den Boden
bereitet und ungeheueren Bedarf am gedruckten Wort
geweckt.
Der erste Druck, welcher von Anshelm bekannt ist,
erschien 1488 in Straßburg, der nächste
datiert zwölf Jahre später in Pforzheim,
wo seine Presse ununterbrochen bis März 1511
arbeitete. Er wurde dort geradezu von
Aufträgen überhäuft, obwohl diese
zuerst eher trivialer Art waren: amtliche
Drucksachen, volkstümliche Gebrauchsliteratur
und Schulbücher, darunter das erste umfassende
deutsche Rechenbuch mit dem Titel "Behennd vnd
hüpsch Rechnug vff allen Kauffmannschaften".
Während der 15 Jahre seines Pforzheimer
Wirkens sind mindestens 55 verschiedene Werke in 78
Ausgaben aus Anshelms Presse hervorgegangen,
darunter 23 Titel theologischen Inhalts und 40
Lehrbücher für Schule und Hochschule.
Wichtig wurde für Anshelm die sich im Jahr
1503 anbahnende Verbindung mit dem großen
Sohn Pforzheims, Johannes Reuchlin. Für
Reuchlin war es ein Glücksfall, dass er mit
Thomas Anshelm Badensis einen Mann gefunden hatte,
der nicht nur zu buchkünstlerischen
Experimenten fähig, sondern auch bereit war,
typografisches Neuland zu betreten. Zunächst
hatte sich Anshelm griechische Typen zugelegt.
Später - eine absolute Novität - auch
hebräische Lettern.
Wie andere Pioniere der Buchdruckerkunst kann man
auch Anshelm als gelehrten Mann bezeichnen, er
selbst bezeichnete sich als "Magister". Auch
Johannes Reuchlin überhäufte ihn mit
Ehrbezeigungen, was beweisen mag, dass er eine
umfassende, ja gelehrte Bildung besaß.
Auch Erasmus von Rotterdam, die Professoren der
Universitäten Heidelbergs und Tübingen,
sowie Herzog Ulrich von Württemberg vertrauten
seinem handwerklichen Talent. Und das bestand
darin, einzelne Lettern zu gießen, diese im
Winkelhaken zu Zeilen zusammenzufassen und sie zu
Seiten zu umbrechen, diese zu einem Werk
zusammenzustellen - und zu drucken, Blatt für
Blatt im Handbetrieb. Hervorzuheben ist auch die
künstlerische Ausstattung seiner Drucke mit
Zierinitialen und Titelrandleisten.
Thomas Anshelm Badensis erwarb sich in deutschen
Landen und darüber hinaus, insbesondere im
italienischen Sprachraum, rasch große
Wertschätzung.
Nach 16 Jahren in Pforzheim verlegte Anshelm,
assistiert von seinem Sohn Johann, seine Druckerei
nach Tübingen. Dort traf er auch Philipp
Melanchthon, der über ihn schrieb:
"Viele verdanken Deinem Fleiß, lieber Thomas,
mehr noch verdanken Deiner Treue alle, die irgendwo
auf Erden die schönen Wissenschaften lieben
und pflegen und denen Deine Buchdruckerei die
angesehensten Autoren vermittelt, gedruckt mit
lateinischen, griechischen und hebräischen
Typen und fürwahr mit den allerelegantesten!
In ganz besonderer Weise verdienst Du Dir den Dank
unseres deutschen Vaterlandes, insofern Du es mit
den Formen künstlerischen Schmucks
auszeichnest, die allein schon geeignet sind,
wahren und unsterblichen Ruhm zu erlangen!"
Dass dieses Lob verdient war, wird jeder erkennen,
der einmal Gelegenheit hatte, eines seiner
Bücher in die Hand zu nehmen, die die letzten
500 Jahre überdauert haben und die heute wie
Kleinodien gehütet werden.

Eines der am besten ausgestatteten Druckwerke aus
Anshelms Werkstatt, ist ein von Johannes Reuchlin
herausgegebenes Buch aus dem Jahre 1517: "De arte
cabbalistica", das nicht nur den Verfasser
berühmt machte, sondern allein schon
ausreichen würde, um seinem Schöpfer
einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der
Buchdruckerkunst zu sichern.
Nach fünf Jahren in Tübingen verlegte
Anshelm seine Druckerei ins elsässische
Hagenau, da ihm die politische Situation in
Württemberg zu unsicher wurde. Ende 1522
erschienen die letzten Blätter aus Anshelms
Hagenauer Presse. Wann TAB gestorben ist,
weiß man nicht.
Von Wolfgang Peter, Baden-Baden
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