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"weder Kosmopolit noch
Spießbürger"
Der badische Dichter und Heidelberger Professor der
Ästhetik Aloys Schreiber (1761-1841)
Herausgeberin: Claudia Rink, Archiv und Museum der
Universität Heidelberg, Schriften 10,
Herausgeber: Werner Moritz, 72 Seiten, 35 Abb.,
broschiert, Verlag Regionalkultur

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Aloys Schreiber (1761-1841)
Aloys Schreiber wurde am 12.
Oktober 1761 als erstes Kind des Zunftmeisters der
Bühler Krämerzunft in
Bühl-Oberbrück geboren. Nach dem Willen
der Eltern sollte ihr ältester Sohn
Geistlicher werden, weswegen Aloys Schreiber nach
dem Besuch des Lyceums im benachbarten Baden als
Zwanzigjähriger das Theologiestudium im damals
noch zu Vorderösterreich gehörenden
Freiburg begann.
1784 kehrte er als Bibliotheksverwalter und Lehrer
für "Ästhetik" an sein ehemaliges Lyceum
zurück. Lange war er dort jedoch nicht
tätig, sondern wirkte ab 1788 als Kritiker und
Theaterschriftsteller in Mainz und gab seine erste
Zeitschrift "Tagebuch der Mainzer Schaubühne"
heraus. Eine ganze Reihe weiterer Zeitschriften,
meist kurzlebigen Natur, publizierte Aloys
Schreiber im Laufe seines weiteren Lebens.
Erste Theaterstücke entstanden ebenso wie
erste Reisebeschreibungen. Das Reisen war ihm als
Hofmeister beim Kurmainzer Staatsminister Graf von
Westphalen-Fürstenberg möglich. 1790
reiste er mit seinem Arbeitgeber und dessen Sohn
nach dem von der Französischen Revolution
erfassten Straßburg und von dort an die
Ostsee. "Bemerkungen auf einer Reise von
Straßburg an die Ostsee", 1793/94
veröffentlicht, hielten seine gewonnenen
Eindrücke für Zeitgenossen und die
Nachwelt fest.
Im Jahr 1793 heiratete Aloys Schreiber in
Baden-Baden seine Jugendfreundin Maria Anna Joubert
und kehrte 1799 erneut als Lehrer für
Literatur an seine ehemalige Schule zurück.
Zuvor gab er während des Rastatter
Kongresses
das "Rastatter Congressblatt" und die
"Wöchentlichen Nachrichten" heraus.
Der badische Hof wurde auf ihn aufmerksam, als
Aloys Schreiber anlässlich des Todes des
Erbprinzen Karl Ludwig (16. 12. 1801) am 14.
Februar 1802 während einer Totenfeier in der
Badene-Badener
Kollegiatskirche
eine Cantate, deren Text von ihm und deren Musik
vom damaligen Stifts-Musikdirektor stammten, zur
Aufführung brachte.
1805 wurde Aloys Schreiber an die Universität
Heidelberg berufen, um den neu geschaffenen
Lehrstuhl für Ästhetik zu
übernehmen, worum er sich beworben hatte. Die
vielköpfige Familie übersiedelte an den
Neckar, wo sie nicht nur das Heimweh an das Oostal
plagte, sondern auch finanzielle Probleme zu
überwinden waren, weswegen Aloys Schreiber
bereits im Jahr darauf schriftlich bei Großherzog Karl
Friedrich
vorstellig wurde und um Zurückversetzung nach
Baden bat. Bis 1813 sollte seine Lehrtätigkeit
in Heidelberg jedoch noch dauern.
Während dieser Zeit war er weiterhin
schriftstellerische tätig und sammelte
darüber hinaus wie Achim von Arnim und Clemens
Brentano deutsche Lieder, veröffentlichte
unter anderem die "Badische Wochenschrift zur
Belehrung und Unterhaltung für alle
Stände", gab Taschenbücher heraus,
verfasste ein Lehrbuch der Ästhetik und
schrieb das Libretto zu Giacomo Meyerbeers erster Oper Jephthas
Gelübde.
Auch als er im Jahr 1813 Archivar und
Hofhistoriograph am badischen Hof in Karlsruhe
geworden war, ließ sein Schreibdrang nicht
nach. Während seiner Karlsruher Zeit freundete
sich Aloys Schreiber unter anderem mit Friedrich
Weinbrenner
und Johann Peter Hebel, blieb nach seiner Pensionierung
im Jahr 1824 noch kurze Zeit in der badischen
Residenzstadt, um sich im Frühjahr 1826
endgültig in Baden niederzulassen.
Dort hatte er die so genannte Lesegesellschaft ins
Leben gerufen, die sich regelmäßig im
Hôtel de
Hollande
zu angeregter Diskussion traf.
Am 21. Oktober 1841 starb Aloys Schreiber in der
Bäderstadt, der er neben vielem anderen
folgende Zeilen gewidmet hat:
Noch leuchtet ja der
Abendschimmer
Wie sonst ins Badener Tal herein,
der junge Lenz, er kehrt noch immer
mit seinen Blumen bei uns ein.
Liegt auch der Quell in Schutt gebunden,
er sehnt sich dennoch nach dem Licht,
und hat er erst den Weg gefunden,
so hält die Erd' ihn länger nicht.
Von Rika Wettstein, Baden-Baden
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