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Hier finden Sie
Beiträge von Dr. Franz Alt
zu wichtigen ökologischen Themen, die uns alle angehen
sollten.
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Agrarwende jetzt. Gesunde
Lebensmittel für alle.
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Zweiter Mythos:
Öko-Landwirtschaft
kann nicht alle Menschen
ernähren
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Zunächst
einmal: Die konventionelle Landwirtschaft
produziert heute - gestützt durch Steuergelder
- pro Hektar ein Drittel mehr als der
ökologische Landbau. Aber dieses Drittel mehr
entspricht exakt jenen Überschüssen, die
heute in der EU für viel Geld vernichtet
werden müssen.
Und in dieser Situation sorgen sich Agrarlobbyisten
noch immer über "Versorgungsmängel beim
ökologischen Landbau". Die Vertreter des
selbstmörderischen Wahnsinns sind geradezu
rührend "um die Gesundheit der Menschen"
besorgt.
Die UNO hat schon 1984 in einer Studie errechnen
lassen, dass wir zwölf Milliarden Menschen
ernähren können. Heute sind wir sechs
Milliarden. Es gibt nicht zu wenig Lebensmittel -
es gibt aber riesige soziale Probleme und
Verteilungsprobleme.
Es gibt zwar 800 Millionen Menschen, die hungern,
aber es gibt zugleich eine Milliarde
Überfressene. Das kommt auch daher, dass die
Schweine der Reichen zum Teil die Lebensmittel der
Armen wegfressen.
Professor Arnim Bechmann, Chef des Zukunftsinstitut
in Barsinghausen, hat schon 1993 errechnet, dass
mit den Methoden des ökologischen Landbaus
alle Menschen überall auf der Welt
ernährt werden könnten. Es reicht auf
unsere Erde grundsätzlich für jedermanns
Bedürfnisse, es reicht freilich nicht für
jedermanns Habgier.
Vegetarische Ernährung oder Fleischreduktion
ist ein Beitrag zum Besiegen des Welthungers. Die
Angstmacherei mit dem "Welthunger durch
Ökolandbau" ist ein groteskes
Täuschungsmanöver des
chemisch-pharmazeutisch-industriellen Komplexes und
sonst gar nichts. So lässt sich bestens von
der Verseuchung von Böden und Gewässern
und von jedem neuen Lebensmittelskandal
ablenken.
Es ist das alte landwirtschaftliche System, das zur
Verödung und Versteppung, zum Wassermangel und
zum Treibhauseffekt wesentlich beiträgt und
damit zu Millionen Hungertoten und Millionen
Umweltflüchtlingen in der Dritten Welt. Soeben
erklärten mir Ökobauern in
Südindien: "Die frühere Abhängigkeit
von westlichen Chemie-Unternehmen hat uns Hunger
und Bodenerosionen gebracht. Erst seit wir
ökologischen Landbau betreiben, geht es uns
gut. Heute hungert niemand mehr." Ich habe in Asien
und Afrika gesehen, wie tausende Ökobauern
verwüstetes und verdorrtes Land mit modernen
Wasser-Management-Methoden und ökologischen
Landbau wieder zum Blühen brachten und den
Hunger und die Armut besiegten.
Zur Zeit
beweisen in Deutschland bereits drei Prozent, in
Dänemark und Schweden, in Italien und Finnland
schon sieben Prozent und in der Schweiz und in
Österreich gar 10 Prozent aller Landwirte,
dass und wie Ökolandwirtschaft
grundsätzlich möglich ist und dass sie
sich rechnet. Wenn bis zu 10 Prozent der Bauern
sich schon erfolgreich umgestellt haben: Warum
sollen sich nicht auch 100 Prozent umstellen
können?
Gerade in der deutschen landwirtschaftlichen
Entwicklung ist erkennbar: Biohöfe wachsen und
15.000 konventionell wirtschaftende Landwirte
müssen jedes Jahr dicht machen. Es ist klar,
wohin die Reise geht. Offen ist nur noch die Frage
der Geschwindigkeit. Professor Arnim Bechmann hat
in einem Zukunftsszenario, das meinem Buch
"Agrarwende jetzt - Gesunde Lebensmittel für
alle" zugrunde liegt, dieses Tempo für
Deutschland und Europa als realistisch
vorgegeben:
2010 - 20 Prozent Ökolandbau,
2020 - 50 Prozent Ökolandbau und
2030 - 100 Prozent Ökolandbau
Konkret heißt das: bis 2010 stellen sich
jährlich etwa 1,5 Prozent der deutschen und
europäischen Bauern auf
ökologisch-biologische Wirtschaftsweise um.
Bis 2020 dann jährlich drei Prozent und danach
- wenn die Umstellung genug Eigendynamik und
Gruppendynamik entwickelt hat - jährlich
weitere fünf Prozent.
Am schwierigsten sind die ersten 20 Prozent in
diesem Szenario zu erreichen. Aber noch schwieriger
hatten es vor der BSE-Krise die allerersten drei
Prozent. Jetzt eröffnet sich voll die Chance
der Krise. Allerdings: Renate Künast darf -
nach einem guten Start - nicht locker lassen. Und
wir Wählerinnen und Wähler müssen
Gerhard Schröder schon bei der Bundestagswahl
2002 an seinem Wort messen: "Weg mit den
Agrarfabriken." Realisten müssen sich freilich
darüber klar sein, dass der Widerstand gegen
die Agrarwende gewaltig sein wird. Er rekrutiert
sich aus der Chemie- und Pharmalobby, von den 500
landwirtschaftlichen Lehrstühlen in
Deutschland (darunter nur fünf für
ökologischen Landbau) und aus der alten Lobby
in den Landwirtschaftskammern sowie von der
Nahrungsmittelbranche. Das große Geld, die
große Propaganda, der stärkere
politische Druck ist auf der Seite des alten
Systems. Als wissenschaftlichen Unterbau für
eine 100-prozentige Agrarwende sind ein
Max-Planck-Institut für ökologischen
Landbau, neue Lehrstühle für
ökologische Landwirtschaft, eine Bundesanstalt
und entsprechende Landesanstalten für
Ökolandbau unabdingbar. Hinzukommen muss eine
Demokratisierung bei den Wahlen zu den
Landwirtschaftskammern.
Gerhard Schröder ist nur mit entsprechender
Stimmabgabe zu beeindrucken und Renate Künast
braucht Verbraucherinnen und Verbraucher, die
wissen, dass ihr Geld an der Ladenkasse politische
Macht bedeutet. Früher haben die Starken die
Schwachen beeinflusst. Heute fressen in der
Ökonomie die Großen die Kleinen. Aber
künftig werden die Bewussten den Unbewussten
den Weg zeigen müssen.
Für den Bewusstwerdungs- und
Bewusstseinsprozess heißt das, dass wir uns
als kritische Christen und Verbraucher klar
darüber werden müssen, ob und warum wir
uns für ökologische Landwirtschaft
engagieren.

Die
ökologische Landwirtschaft hat drei
Ziele:
1. die Pflege der Erde und allen
Lebens
2. Förderung der Umwelt und
3. die Erzeugung gesunder
Lebensmittel.
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