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Straßburg/Strasbourg
Geschichte
Straßburg wurde unter dem römischen
Kaiser Augustus als Argentoratum gegründet. Es
war zunächst ein militärischer
Außenposten in der Provinz Germania Superior.
Straßburg war ab dem 4. Jahrhundert
Bischofssitz und wurde im 5. Jahrhundert durch
Alemannen, Hunnen und Franken erobert. 842 wurden
hier die Straßburger Eide geschworen, die das
älteste Dokument in französischer Sprache
darstellen. Diese Eide sind zweisprachig
(althochdeutsch und altfranzösisch)
überliefert. Die Sprache von Stadt und Region
war damals althochdeutsch.
Im Mittelalter entwickelte sich Straßburg zu
einem bedeutenden Wirtschaftszentrum und war von
1262 an freie Reichsstadt. 1439 wurde das
Straßburger Münster fertiggestellt,
welches bis 1874 das höchste Gebäude der
Welt war. In der Reformation wurde es lutherisch.
Auf dem Reichstag zu Augsburg 1529 legte
Straßburg ebenfalls ein Bekenntnis zur
Reformation ab. Straßburg schloss sich aber
nicht den "Protestanten" der "Confessio Augustana"
an, sondern legte mit Memmingen, Konstanz und
Lindau ein eigenes, von Martin Bucer und Capito
verfasstes Bekenntnis, die nach den vier
Städten sog. Tetrapolitana ab.
Nach 1648 strebte Frankreich den Rhein als Grenze
an, wobei die im Westfälischen Frieden
gewonnene Reichsvogtei über die
elsässischen Reichsstädte den eigenen
Zwecken nutzbar gemacht wurde; Straßburg
blieb davon jedoch zunächst ausgenommen. Erst
im Rahmen der 1679 begonnenen Reunionspolitik
Königs Ludwigs XIV. geriet auch
Straßburg ins Visier. Nachdem die Stadt in
diesem Zusammenhang im September 1681 mitten im
Frieden durch die Franzosen besetzt worden war,
wurde diese Änderung der
Herrschaftsverhältnisse 1697 endgültig
bestätigt. Protestanten wurden von
öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, das
Münster wurde rekatholisiert. Allerdings blieb
die Stadt deutschsprachig und kulturell deutsch
geprägt.
1770 und 71 studierte hier Johann Wolfgang von
Goethe. In diesen Jahren wurde die Stadt ein
Kristallisationspunkt der literarischen Bewegung
"Sturm und Drang". Jakob Michael Reinhold Lenz und
Johann Gottfried von Herder lebten hier.
In der Zeit der französischen Revolution wurde
die Stadt zu einem Anziehungspunkt für
Republikaner aus Deutschland. Der bekannteste von
ihnen ist Eulogius Schneider. In den folgenden
Jahren und Jahrzehnten wurde sie zum Exil für
deutsche Oppositionnelle und Revolutionäre,
wie z.B. für Georg Büchner.
In Straßburg komponierte Claude Joseph Rouget
de Lisle die Marseillaise.
Zur Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert
verdreifachte sich die Einwohnerzahl auf 150000.
1871, nach dem deutsch-französischen Krieg,
wurde Straßburg vom neu gegründeten
Deutschen Reich zur Hauptstadt des Reichslandes
Elsass-Lothringen erklärt.
Neben Metz und Köln wurde Straßburg nach
1871 zu einer der wichtigsten Festungen im Westen
des Deutschen Reiches ausgebaut. Im Zuge der
Stadterweiterung entstand eine moderne Umwallung,
die ältere Wallabschnitte aus der
französischen Zeit miteinbezog. Von den
Wallanlagen sind Reste der Zitadelle von Vauban
erhalten, vor allem aber große Teile der
preußischen Befestigungen im Bereich des
Bahnhofs. Hier sind heute noch Grabenwehren aus
Eisen zu sehen, damals und heute eine absolute
Seltenheit. Neben dieser inneren Umwallung entstand
in weitem Umkreis um die Stadt ein Gürtel aus
Forts, von denen die meisten heute noch stehen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Straßburg
gemäß dem Versailler Vertrag von 1919
wieder Frankreich zugeschlagen. Die Abtretung an
Frankreich erfolgte gemäß den 14 Punkten
von US-Präsident Wilson ohne Volksabstimmung.
Es ist sehr fraglich, ob ein Referendum zugunsten
Frankreichs ausgegangen wäre, denn die Stadt
war damals rein deutschsprachig und
elsässische Soldaten hatten im Ersten
Weltkrieg loyal auf deutscher Seite
gekämpft.
Zwischen der deutschen Invasion in Polen am 1.
September 1939 und der britisch-französischen
Kriegserklärung am 3. September 1939 an
Deutschland wurden sämtliche Einwohner
Straßburgs evakuiert, wie bei allen anderen
grenznahen Ortschaften auch. Bis zum Einmarsch der
deutschen Truppen Mitte Juni 1940 befand sich zehn
Monate lang niemand in der Stadt, mit Ausnahme der
kasernierten Soldaten. Straßburg blieb, wie
der größte Teil Frankreichs, bis 1944
von Deutschland besetzt und wurde wieder von
französischen Truppen unter der Führung
von General Lattre de Tassigny erobert. Nach dem
Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt aufgrund des
Engagements des langjähigen Straßburger
Oberbürgermeisters und Spitzenpolitikers
Pierre Pflimlin zum Symbol der
deutsch-französischen Aussöhnung und der
europäischen Einigung.
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