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Der für die Kriminalisten zu
klärende Fall an sich könnte in seiner
ganzen menschenverachtenden Brutalität
weltweit überall stattgefunden haben. Dass er
ausgerechnet von Baden-Baden aus untersucht wird,
birgt eine gewisse Pikanterie in sich und
vermittelt vor allem: Kajo Lang kennt sich nicht
nur hervorragend in den Straßen der Stadt und
der Umgebung aus. Er verfügt zudem über
ein erkleckliches Maß an Hintergrundwissen,
woran er den Leser teilhaben lässt. So wird
der Leser bereits auf Seite 12 informiert:
"Baden-Baden besaß eine Sonderstellung,
weshalb die hiesige Kriminalpolizei nicht nur vor
staatspräsidialen Türen campierte,
sondern auch Fahndungen nach entflogenen
Wellensittichen einleitete. Alles diente nur einem
Zweck: Die eigene Unentbehrlichkeit
untermauern."
Die Hauptperson Carlo Ybenstein, der nicht so sehr
angepasste Kriminalkommissar mit der Vorliebe
für die Farbe rot, bekommt vom Autor somit
gute Chancen eingeräumt, eine Fangemeinde um
sich scharen zu können, die jedes Buch mit dem
charakteristischen ausgestanzten gleichschenkligen
Dreieck am oberen Buchrand nicht nur der optischen
Eigenwilligkeit halber in ihren Fundus aufnimmt,
sondern auch mehr als nur einmal liest - nicht
wegen der scheußlichen Verbrechen, mehr wegen
der ergötzlichen Passagen und des
Hinterdenkens.
Das Hinterdenken beginnt schon beim Titel des
ersten Bandes der Reihe:
Das Verlangen
Bezieht sich der Titel auf die
ungewöhnliche Beziehung des Kommissars zu
Maren und ihrem 15jährigen Sohn Paul? Bezieht
er sich auf das Treiben pädophiler
Zeitgenossen? Bezieht er sich auf den Drang der
Polizistenmannschaft, Verbrechern auf die Spur zu
kommen und sie dingfest zu machen, wobei sie sich
zuweilen überraschender Methoden bedient?
Jeder Leser mag seine eigene Interpretation finden,
wenn er die Anstrengungen der Baden-Badener Polizei
verfolgt, die Herkunft eines zufällig
gefundenen Kinderfußes und einer ebenfalls
entdeckten Kinderhand zu ermitteln, das Verbrechen
aufzuklären und dem oder der Täter
habhaft zu werden.
Immer wieder blitzen bei der spannenden Wiedergabe
dieser Anstrengungen Kajo Langs "Insiderkenntnisse"
durch. Beispielsweise als Carlo Ybenstein von
seinem Chef wegen seines Verhaltens gegenüber
einem bekannten Entertainer gerügt wird: "Wir
wollen doch die Regeln einhalten, bitte!" "Welche
Regeln?" "Herr Morassi ist eine wichtige
Persönlichkeit." "Ah, die Baden-Badener Regel!
Verstehe. Sobald jemand einen gewissen
Bekanntheitsgrad erlangt hat, laufen lassen,
ja?"
Begeisternd. Gleichermaßen begeistert werden
Einheimische und auswärtige Gäste, denen
Baden-Baden bekannt ist, mit dem Kommissar und
Zorro, der wichtigsten Randfigur der Geschichte,
durch die Lichtentaler Allee spazieren oder im
Szene-Lokal "Leo's" Platz nehmen. Und denjenigen,
denen weder Baden-Baden noch Zorro geläufig
ist, sei dringend empfohlen, dem Verlangen, diesen
Kenntnismangel zu beheben, umgehend
nachzugeben.
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Über den Autor:
Kajo Lang wurde am 09.05.1959 in Bad Kreuznach
geboren, wuchs im Münsterland auf, lebte unter
anderem in Hannover und Husum, jobbte hier und da
und arbeitete nebenher viel mit Kleinkunst/Theater
oder als freier Mitarbeiter bei verschiedenen
Zeitungen.
1988 zog er nach Freiburg, wo er u.a. bei Radio
Dreieckland Sendungen über Politik und Kultur
produzierte und moderierte. 1991 besuchte er eine
Journalistenschule für Radioredakteure.
Danach war er Pressereferent der IG Metall,
arbeitete für verschiedene Zeitungen und
Radiostationen, wechselte zum damaligen RMV (heute
NDR) Schwerin, war als Korrespondent beim
Europaparlament in Straßburg akkreditiert und
hatte bei einer Medienagentur die Position des
Chefredakteurs inne. Seit 1996 ist er als freier
Journalist und Autor (u.a. für den Bayrischen
Rundfunk) tätig und lebt seit Mai 2000
zusammen mit seiner Familie in Baden-Baden.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
Weitere Infos:
www.ybenstein.de
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Kajo Lang
Kommissar Ybenstein
Das Verlangen
Verlag Plöger Medien

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