"Für Freiheit und Fortschritt gab ich alles hin"

Robert Blum (1807-1848)
Visionär - Demokrat - Revolutionär

Robert Blum, 1848 Wortführer der Linken in der Frankfurter Nationalversammlung, ist eine von der
Rastatter Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in Deutschland konzipierte Wanderausstellung gewidmet, im Mai 2006 in Bonn beginnend und nach Rastatt, sowie etlichen weiteren Stationen im Herbst 2007 in Leipzig endend.

Ein zu dieser Ausstellung vom Bundesarchiv herausgegebener Begleitband informiert umfassend über Robert Blum, der am 9. November 1848 einen Tag vor seinem Geburtstag, gerade einmal 41jährig in der Wiener Brigittenaue auf Betreiben des österreichischen Feldmarschalls Alfred Fürst zu Windischgrätz erschossen wurde.

Diese Hinrichtung ließ den gemeuchelten Parlamentarier, der den österreichischen Aufständischen im Oktober 1848 vor Ort Solidarität bekundete und sogar das Kommando einer kämpfenden Einheit übernahm, zum Märtyrer werden, was nicht nur anhand einer Vielzahl von Ausstellungsstücken, vom Pfeifenkopf über Broschen, Tassen und Münzen bis hin zu einer Flötenuhr, verdeutlicht wird, sondern auch in Aufsätzen zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus beschäftigen sich die von verschiedenen sachkundigen Autoren verfassten Beiträge mit den unterschiedlichen Facetten im Leben des wortgewaltigen Mannes, der sich moderat und unermüdlich für ein freies Deutschland einsetzte.

Ein Porträt Robert Blums beschreibt dessen Kindheit und Jugend in Köln in allerärmsten Verhältnissen, die es dem hochintelligenten Menschen nicht gestatteten, seinen Bildungshunger zu befriedigen. Autodidaktisch erwarb er sich sein Wissen und publizierte dies und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in zahlreichen Veröffentlichungen. Politisch aktiv wurde er in Leipzig, das ihm 1832 zur zweiten Heimat wurde. Dort hielt er 1837 seine ersten politischen Reden, die ihm letztendlich den Eintritt ins Stadtverordnetenkollegium Leipzigs und einen Sitz in der Frankfurter Nationalversammlung einbrachten.

Untersucht werden weiterhin unter anderem Robert Blums Rolle als Autor und Publizist, sein Verhältnis zur deutsch-katholischen Bewegung und zu den Burschenschaften, sowie sein Verhältnis zu den politischen Kreisen im Großherzogtum Baden, das von intensiver Zusammenarbeit der badischen und sächsischen Demokraten geprägt war.

Es gibt viel zu erfahren zu Schillerfeiern und Vaterlandsverein, zu Staatswillkür und Auflehnung und vor allem zur damaligen Bildungssituation, weswegen Robert Blum die Meinung vertrat, die Mehrzahl der Bürger werde von der wirklichen Bildung fern gehalten, woraus er ableitete, Bildung und Kultur seien der Schlüssel zu einem anderen Leben, da die einfachen Bürger nur durch Bildung auf Dauer politikfähig werden könnten.

Es bleibt am Ende dieses umfangreichen mit vielen Bildern und Dokumenten, sowie einer Zeittafel, einer Ausstellungsdokumentation und einer Auswahlbibliografie versehenen Sammelwerks festzustellen, das es nicht nur die Kultur des 19. Jahrhundert widerspiegelt, sondern auch, ganz im Sinne Robert Blums, eine bildende Funktion erfüllt.

Das Buch ist im
Verlag für Berlin-Brandenburg erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Robert Blum

Robert Blum (1807-1848) - Visionär, Demokrat, Revolutionär
Herausgegeben vom Bundesarchiv, bearbeitet von Martina Jesse und Wolfgang Michalka, 270 Seiten, broschiert, Verlag für Berlin-Brandenburg

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