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Das Rattenprinzip
"Die Interessen des Kapitals sind vielfältig.
Aber dienen tun sie nur einem, und das ist der
Profit." Diese Auffassung eines trotz zum
Kleinunternehmer mutierten extrem gebliebenen
Altkommunisten kann jeder unterstreichen, der in
jüngster Zeit Schmiergeldskandale und
Steuerhinterziehungen, Mitarbeiterentlassungen
trotz oder wegen brillanter Geschäftszahlen
und andere den Appetit manch Redlicher, sprich
Unbedarfter, verschlagende Ereignisse verfolgt hat.
Dabei äußert sich der im Hochschwarzwald
lebende Familienvater, der seine drei Kinder im
Betrieb einspannt, bereits im Jahr 1990, als das
Schlagwort Globalisierung noch nicht als Alibi
für allerlei menschenverachtendes Tun hat
herhalten müssen.
Sonderlich besser ging es seinerzeit indes auch
nicht zu. Bitterböse, teilweise in bis ins
Sarkastische reichende Ironie verpackt, wird das
Dilemma, in welchem sich die so genannte
zivilisierte Menschheit orientieren muss, in Worte
gefasst - unabhängig davon, ob
persönliche Eitelkeiten,
Verdrängungsmechanismen, Machtgier oder eben
Raffsucht als Handlungsmotor auszumachen sind.
Opfer bleiben dabei auf der Strecke, auch
Rätsel aufgebende Tote, deren Drei - ein
Feuilletonredakteur, eine Kunststudentin und die
Geschäftsführerin des Stuttgarter
Literaturzentrums.
Seltsamerweise rücken diese Todesfälle
beim Leser eher in den Hintergrund, wird er doch
durch das Wechselspiel der Lebenden, das in rasch
aufeinander folgenden Szenen allmählich die
hilflose Brutalität des Geschehens erkennen
lässt, bei kontinuierlicher Neugier
gehalten.
Das "Gerippe" der Geschichte: Ein erfolgreicher
Chefredakteur eines Schwarzwälder
Provinzblattes wechselt als Chef der Lokalredaktion
zum führenden Stuttgarter Nachrichtenblatt,
wird im Verlauf weniger Wochen nicht nur mit den
bereits genannten drei Todesfällen, sondern
darüber hinaus mit einem Kulturskandal
konfrontiert und wegen seiner unangepassten
Recherchearbeit vorläufig beurlaubt. Ein
Todesfall wird nach seiner "Rehabilitierung" als
eine Art Randereignis sogar noch annähernd
aufgeklärt. Und der Rest?
Der Rest harret der Fortsetzung, denn die
Neuauflage des Rattenprinzips, 17 Jahre nach seiner
Erstveröffentlichung, soll als Basis einer
neuen Krimiserie dienen, in welcher "die Geschichte
der Protagonisten und ihrer Nachkommen weiter
erzählt wird", so der Verlag.
Hoch gespannt muss abgewartet werden, ob die
Fortsetzung ebenso gelingen wird wie der
Anstoß hierzu, der allemal lesenswert
ist.
Das Buch ist im Gmeiner-Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Uta-Maria Heim, geboren
1963 in Schramberg/Schwarzwald, lebt als
Dramaturgin und Autorin in Baden-Baden.
Sie schrieb zahlreiche Romane, Krimis,
Hörspiele und Features. Für ihre
Arbeiten erhielt sie viele Auszeichnungen,
u.a. 1992 und 1994 den Deutschen Krimi
Preis, 1994 den Förderpreis Literatur
des Kunstpreises Berlin und 2000 den
Friedrich-Glauser-Preis. "Das
Rattenprinzip" war ihr erster
Kriminalroman. Er erschien erstmals 1991
im Rowohlt Verlag Reinbek und avancierte
schnell zum Kultbuch.

Das Rattenprinzip
Uta-Maria Heim
231 Seiten, Taschenbuch,
Gmeiner-Verlag

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