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Das Blumenorakel
Sie ist jung, aufgeschlossen, wissbegierig,
einfallsreich und will ganz und gar nicht der
Familientradition folgen und Samenhändlerin
werden: Flora Kerner, die an einem grauen,
nasskalten Januartag des Jahres 1871 mit ihrer
Mutter in Baden-Baden ankommt, um von ihr den
Umgang mit der kurstädtischen Kundschaft zu
lernen.
Die trüben Aussichten hellen sich für die
unbeschwerte junge Frau aus dem schwäbischen
Samenhändlersdorf Gönningen, die es zur
Blumenbinderei zieht, allerdings drei Monate
später auf, als sie das Angebot erhält,
einem Baden-Badener Blumenhändler
unterstützend zur Hand zu gehen und dabei mit
dem Blumenbinderhandwerk vertraut zu werden.
Damit beginnt eine abwechslungsreich angelegte
Geschichte über ein unbekümmertes
Landkind, das sich in der als mondän
eingeschätzten Zwitterstadt mit einer Vielzahl
nobler, teils blasierter Saison-Gäste und
ihrer Entourage einerseits und mit zuweilen nicht
gerade auf Rosen gebetteten Bürgern
andererseits zurechtzufinden und zu behaupten
lernt, bis hin zur gefragten und gefeierten
Blumensprachenspezialistin.
Für jeden ist darin etwas zu finden, ob es
sich dabei um Realität oder Fantasie handelt:
beispielsweise die Stellung, welche die Kurstadt
nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71
trotz der ausbleibenden französischen
Gäste einnimmt, sowie quälende Existenz-
und Zukunftsängste; der krasse Gegensatz von
gelangtweilt-verschwenderischen, vor allem
russischen Gästen und einer Bevölkerung,
die nicht selten mit knurrendem Magen zu Bett gehen
muss; das Ausleben von Standesdünkel im
Widerspruch zu praktizierter Redlichkeit; die
Konkurrenz in der Bewertung der Bedeutung der
Spielbank und des Thermalwassers für Ruf und
Ansehen der Stadt und ein Gefühlsreigen, der
sich bis zur leidenschaftlichen Beziehung Floras
mit einem bulgarischen (Lebens-)Künstler
dreht.
Schwungvoll, teilweise zum Schmunzeln
verführend, mit viel Detailwissen über
Baden-Baden sowie die Bedeutung von Blumen und
Pflanzen verfeinert, baut sich ein Spannungsbogen
auf, der es kaum zulässt, die Lektüre zu
unterbrechen, will man doch gar zu gerne den
Ausgang des sich zum Dramatischen hin entwickelnden
Geschehens erfahren.
Am Ende angelangt, mag orakelt werden, welches
Blumengebinde die Stadt, wäre sie ein
Kavalier, der Autorin wohl verehrte. Wer das in
einem Anhang zu findende Blumen-ABC sorgfältig
studiert, könnte sich für einen
Strauß aus Blumenmohn, Glockenblumen,
Kaisernelken, Kuckucksblumen, Moosrosen, Melisse.
Salbei und Weißklee entscheiden.
Mehr soll nicht preisgegeben werden, allenfalls
noch, dass Blumenliebhaber, die nicht nur
Petra-Durst-Bennings Erzählkunst
schätzen, sondern auch die traditionsreiche
Kurstadt, ihre helle Freude an diesem historischen
Roman haben werden.
Das Buch ist im List Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Das Blumenorakel
Petra Durst-Benning
432 Seiten, Festeinband mit
Schutzumschlag, List Verlag

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