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Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die letzten Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz. 1,5 Millionen Menschen, die meisten von ihnen Juden, waren hier von den Nationalsozialisten ermordet worden. Der "geistige" Weg, der nach Auschwitz führte, ist Thema einer Ausstellung des Bundesarchivs, die bis zum 17. April 2005 in Rastatt gezeigt wird. Wenige Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen wurde in öffentlichen Aushängen Befehl Nr. 6 verkündet: Die allgemeine Gehsperre für Juden. Der "Weg nach Auschwitz", das zeigt die Ausstellung in Rastatt, begann schon Jahre zuvor: Mit antisemitischen Witzen und Propagandaplakaten. Die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung war nur ein weiterer Schritt, der direkt ins Vernichtungslager führte. "Wir hörten auf, Mensch zu sein", der Ausspruch eines Überlebenden, steht als Motto über der Ausstellung. Die versuchte Entmenschlichung zeigt sich in den ausgestellten Befehlen und Anordnungen der Nazis. Daneben beweisen andere Exponate, dass die Häftlinge in Auschwitz im absoluten Elend trotzdem immer noch eines waren: Menschen. Ehemänner, die von ihren Frauen Liebesbriefe erhielten, Väter, die trotz der Zensur versuchten, ihren Kindern gemalte Geburtstagsgrüße zu schicken. Gemeinsam ist den rund 200 Exponate der Ausstellung, dass sie alle aus der Sammlung von Wolfgang Haney stammen. Der Berliner, dessen Mutter Jüdin war, wurde im Nationalsozialismus als "Mischling 1. Grades" selbst verfolgt. Mit zwei Geldscheinen aus dem KZ Oranienburg, die Haney 1989 auf einer Münz-Ausstellung entdeckte, begann er sein Archiv von Dokumenten zur Diffamierung, Verfolgung und Ermordung von Nazi-Opfern. Knapp 7.000 zum Teil einzigartige Objekte hat er zusammengetragen: Fotos, Briefe, Plakate, Postkarten, Besatzungs-Befehle, Geldscheine und, und, und ... Haneys Wunsch ist, dass die Sammlung irgendwann von Historikern betreut und aufgearbeitet wird. Bis dahin sammelt er weiter. Die Wanderausstellung, deren nächste Stationen u.a. Berlin, Heidelberg und Warschau sein werden, verlangt dem Besucher viel ab: Vorwissen und die Bereitschaft, sich die Exponate ganz genau anzusehen. Da liegt in einer Vitrine etwa ein Stück Seife, daneben ein kleiner Zettel mit der dürren Erläuterung: "Seife aus dem KZ Auschwitz". Man wirft einen kurzen Blick auf das Objekt, denkt sich "Ach ja, Seife" und geht zum nächsten Exponat. Seife ist ein Alltagsgegenstand, nichts Ungewöhnliches. Doch dann stutzt man und erinnert sich an Gelesenes: Die Gaskammern in Auschwitz waren als Duschräume getarnt. Um die perfide Maskerade perfekt zu machen, wurde den Häftlingen Seife in die Hand gedrückt, bevor sie den Raum mit den großen Brauseköpfen in der Decke betraten. Davon erzählt die Ausstellung nichts - sie beschränkt sich darauf, Dokumente und Objekte zu zeigen. Erklärungen, Hintergrundinformationen, die es den Besuchern ermöglichen würden, das Gezeigte nicht nur zu sehen, sondern zu verstehen, fehlen meistens. Entgegen dem Ausstellungstitel wird mit den Exponaten nicht die Entwicklung erklärt, die zur Vernichtung der europäischen Juden im Dritten Reich führte. Vielmehr werden einzelne Facetten des "Systems Auschwitz" dargestellt: die Bürokratie, die auch im Lager funktionierte, die Versuche der Häftlinge, Reste normalen Lebens zu bewahren, die Misshandlung und Ermordung von Gefangenen. Lediglich Einblicke in das gnadenlose KZ-System zu gewähren, ist jedoch zu wenig. Die Exponate der Sammlung Haney, jedes von ihnen interessant, berührend, erschreckend, hätten es verdient, so präsentiert zu werden, dass sie zu echten Einsichten führen. (Text: SWR)
Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte Herrenstraße 18 / Schloss 76437 Rastatt Telefon: 07222/77139-0 Telefax: 07222/77139-7 Öffnungszeiten: täglich von 9.30 bis 17.00 Uhr montags geschlossen Zurück zum Archiv |
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