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10 Jahre
Festspielhaus
Geschichte
des Baden-Badener Festspielhauses
Das Projekt eines Festspielhauses für
Baden-Baden stand bereits im 19. Jahrhundert zur
Diskussion. In den 1860er Jahren erfuhr der Plan,
ein Festspielhaus für Richard Wagners Opern zu
bauen, beim Stadtrat großen Zuspruch. Richard
Wagner war damals häufig im Oostal zu Gast,
entschied sich letztendlich aber für Bayreuth
als Standort seines Opernhauses.
Das Vorhaben Festspielhaus wurde indes weiter
gepflegt. Kein geringerer als der deutsche Dichter
Gerhart Hauptmann, der Jahrzehnte lang zu den
treuesten Gästen Baden-Badens zählte,
hatte den Vorsitz des 1928 gegründeten Vereins
"Symphoniehaus e.V.“ inne, der ebenfalls,
allerdings erfolglos, den Bau eines Festspielhauses
in der Kurstadt anstrebte.
In den 1980er Jahren verfocht der Baden-Badener
Kunstmäzen Ermano Sens-Grosholz
unermüdlich die Idee eines Opernhauses, in
welchem nicht nur seine privat finanzierten
Konzerte "Gala d’Europe“ sondern auch große
Opernaufführungen möglich sein sollten,
und rief ein "Comité zur kulturellen
Förderung Baden-Badens“ ins Leben.
Ehrenpräsidentin wurde Eliette von Karajan,
die mit dem Gedanken spielte, die von ihrem
verstorbenen Mann Herbert von Karajan
eingeführten Pfingstkonzerte aus Salzburg
abzuziehen. Die bis dahin nur von wenigen ernst
genommene Festspielhaus-Idee gewann damit an
Gewicht, auch an politischem. Fortan erklärten
sich die Politiker für das Vorhaben
Festspielhaus zuständig, die in ihm unter
anderem auch einen Wirtschaftsfaktor für die
Region erkannten. Dem Spendenaufruf zugunsten des
größten, privat zu betreibenden
Festspielhauses in Europa, das alljährlich mit
den Herbert von Karajan Pfingstfestspielen ein
anspruchsvolles Publikum bedienen wollte, folgte im
Jahr 1995 eine beachtliche Anzahl
Kunstinteressierter.
Als Standort geeignet erschien das Areal des
prachtvoll im Neorenaissancestil gestalteten
Stadtbahnhofs der 1977 stillgelegten Stichbahn von
Baden-Oos nach Baden-Baden. Der Grundsatzbeschluss
des Gemeinderats pro Festspielhaus wurde im Jahr
1995 gefällt. Das vom Gemeinderat abgesegnete
Konstrukt erregte nicht nur in der Lokalpresse,
sondern im gesamten Bundesgebiet hohe
Aufmerksamkeit.
Der eigens gegründeten Bauherrin Tanja
Grundstücksverwaltungs-GmbH & Co. Objekt
Festspielhaus-KG wurde das städtische
Grundstück kostenlos überlassen. Die
jährlich anfallende Grundsteuer und
Gebäudeversicherung werden von der Stadt
übernommen. Durch Ausfallbürgschaften
wird darüber hinaus bis zum Jahr 2020 ein
„jederzeit spielfertiges Haus“ garantiert. Sollte
im Jahr 2020 kein anderer Kaufinteressent gefunden
werden, hat sich die Stadt verpflichtet, das
Gebäude für rund 20 Millionen Euro (39
Millionen DM) zu erwerben. Die
Betreibergesellschaft Festspiel GmbH mit der
Hauptgesellschafterin DEKRA Promotion GmbH betonte,
dass hierin eine Strukturhilfe für die Region
und keine Kultursubventionen zu sehen sei. Das
Wirtschaftsministerium des Landes
Baden-Württemberg sicherte zudem einen
jährlichen Mietzuschuss von fünf
Millionen DM zu.
Für den ersten Spatenstich im Mai 1996 konnte
die damalige Kanzlergattin Hannelore Kohl gewonnen
werden. Gebaut wurde das Festspielhaus nach den
Plänen des österreichischen Architekten
Wilhelm Holzbauer. Unter Einbeziehung des so
genannten Alten Bahnhofs als Foyer, über
welches auch ein Restaurant zu erreichen ist,
entstand ein lichtdurchfluteter Neubau, der mit
einer beispiellosen Akustik aufwartet, die
weltweite Anerkennung findet.
Am 18. April 1998 feierlich eröffnet, kam der
Betrieb des größten Opern- und
Konzerthauses Deutschlands nach wenigen Monaten
wegen des recht zögerlich angenommenen
künstlerischen Konzepts des Ludwigsburger
Festspiele-Chefs Wolfgang Gönnenwein und wegen
nicht allzu geschickter Führung finanziell ins
Schlingern. Öffentliche Mittel mussten zur
Abwendung der Konkursgefahr eingesetzt werden. Das
Führungsduo Rainer-Robert Vögele,
Mitgeschäftsführer der DEKRA Promotion
GmbH, und Klaus Klein, ehemaliger
Baubürgermeister der Stadt Baden-Baden, wurde
abgesetzt. Die Stadt sprang übergangsweise als
Betreiberin ein. Mit Andreas Mölich-Zebhauser
konnte ein Fachmann für den Intendantenposten
gewonnen werden, der die finanzielle Konsolidierung
und Stabilisierung erfolgreich umsetzte –
beispielsweise durch die Gewinnung namhafter
Stifter und die Vergrößerung eines
unterstützenden Freundeskreises. Seinem
Leitspruch "Mittelmaß ist unser Tod“ zufolge,
begann er ein exklusives, jedoch nicht
elitäres Veranstaltungsangebot aufzubauen.
Die Unabhängigkeit des reinen
Veranstaltungsbetriebs von öffentlichen
Subventionen wurde durch die Gründung einer
privaten Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden,
die seit März 2000 Trägerin der
Betreiber-GmbH ist, in Angriff genommen.
Eintrittseinnahmen, Spenden und Sponsoring
ermöglichen seit Beginn 2002 den privaten
Kulturbetrieb.
Dieser offeriert
seit dem Jahr 2005 einen Spielplan, der sich nicht
mehr am Kalenderjahr orientiert, sondern von
September bis zum Sommer des Folgejahres reicht.
Das Angebot der Pfingst- und Sommerfestspiele wurde
um Herbst- und Winterfestspiele erweitert Eine
Saison umfasst rund 120 Vorstellungen von Opern
über Konzerte und Balletterlebnisse bis zur
leichten Muse.
Dabei liest sich das Verzeichnis der bislang
aufgetretenen Künstler wie das who is who der
internationalen Musik- und Tanzwelt, begonnen beim
Meisterdirigenten Claudio Abbado und endend beim
Zürcher Ballett. Viele der Künstler haben
es nicht bei einmaligen Gastspielen belassen,
sondern sind zu festen Größen des
Festspielhauslebens geworden. Zu ihnen gehören
neben vielen anderen die Weltklassegeigerin
Anne-Sophie Mutter, die Königin der Koloratur
Edita Gruberova, der Dirigent und
Musikwissenschaftler Thomas Hengelbrock, der
Choreograph John Neumeier und das Hamburg Ballett,
sowie allen voran Valery Gergiev und das Ensemble
des Sankt Petersburger Mariinsky Theaters. Valery
Gergiev hat bereits manche spektakuläre
Produktion in und für Baden-Baden realisiert.
"Der Russische Ring“, die Gergiev-Version Richard
Wagners Zyklus "Der Ring des Nibelungen“ wird jedem
Genießer des mit "Spassiba“ bedachten
Dargebotenen in Erinnerung bleiben.
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Etliche
Produktionen sind auf CD oder DVD festgehalten
worden, wie beispielsweise Bellinis Oper „Norma“
mit Edita Gruberova in der Hauptrolle. Verfilmt
wurden im Festspielhaus bislang Richard Wagners
Opern "Parsifal“ und "Lohengrin“, von Kent Nagano
dirigiert, oder John Neumeiers Ballett "Tod in
Venedig“.
Für all diejenigen Karteninhaber, die sich
nicht unbedingt zu den Klassikspezialisten rechnen,
wird eine Stunde vor jeder Veranstaltung ein
Einführungsvortrag im Foyer angeboten.
Gegen die Schwellenangst schlechthin kann die
Besichtigung des Festspielhauses wirken, die
täglich nach telefonischer Voranmeldung
möglich ist.
Speziell für junge Menschen gibt es seit dem
Jahr 2003 das Education-Program: "Kolumbus –
Klassik entdecken“. Initiiert und finanziell
maßgeblich vom Baden-Badener Unternehmer
Wolfgang Grenke unterstützt, wurden bereits
mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler,
angeregt durch einen ausgesprochen günstigen
Eintrittspreis und erklärende
Begleitveranstaltungen, an die klassische Musik
herangeführt.
Der Jugendförderung dient ebenfalls der seit
dem Jahr 2003 vom Kuratorium der Kulturstiftung des
Festspielhauses ausgelobte Herbert von Karajan
Musikpreis. Dieser mit 50000 Euro dotierte Preis
wird jährlich bedeutenden
Persönlichkeiten des internationalen
Musiklebens verliehen mit der Maßgabe, das
Preisgeld für die musikalische
Nachwuchsförderung einzusetzen. Als erste
wurde Anne-Sophie Mutter ausgezeichnet, ihr folgten
die Berliner Philharmoniker mit Sir Simon Rattle
als Dirigent, der russische Pianist Jevgeny Kissin,
Valery Gergiev und John Neumeier.
Über besondere Anlässe im Festspielhaus
berichtet das elegant gestaltete, periodisch
publizierte Festspielhaus-Magazin, das im Jahr 2006
den renommierten BCP-Award (Best of Corporate
Publishing) in Gold gewonnen hat - eine begehrte
Auszeichnung, die ihm bescheinigt, zu den besten
Kundenzeitschriften in Europa zu zählen.
Das nicht minder ansprechend gestaltete,
jährlich erscheinende Programmbuch erzeugt
Vorfreude auf jede kommende Saison, die mit den
Herbstfestspielen beginnt und mit den
Sommerfestspielen endet. Anspruchsvolle Konzert-
und Opernproduktionen wechseln sich ab mit
attraktiven Darbietungen für Ballettliebhaber,
heiteren Operetten und Veranstaltungen der leichten
Unterhaltung.
Diese Mischung, die weltweit ihresgleichen sucht,
lockt ein Publikum unterschiedlichen Musik- und
Kunstinteresses nach Baden-Baden und
übertrifft damit sicher alle Erwartungen, die
aus den verschiedenen Festspielhaus-Ideen
früherer Tage erwachsen sind.
Rika Wettstein, Baden-Baden
bad-bad.de
gratuliert Andreas Mölich-Zebhauser und seinem
Team zum bisher Erreichten und wünscht viel
Erfolg bei der weiteren Arbeit.
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